Faszinierende Statistik: iOS/Android Adoptionsrate doppelt so schnell wie Internetboom der 90er
Die Kollegen von AppleInsider haben eine aktuelle Studie entdeckt, die von einer doppelt so hohen Adoptionsrate bei iOS und Android im Vergleich zur Adoptionsrate von PCs während dem heftigen Internet-Boom der Neunziger handelt.
Nochmal zum Mitdenken: In den 80er Jahren war der Zuwachs an Computern in den Häusern der Konsumenten noch zehn mal langsamer, als aktuell weltweit Smartphones ein Zuhause finden. Und das bezieht sich nur auf Geräte mit iOS oder Android Betriebssystem.
Adoptionsraten doppelt so hoch wie der PC-BOOM der 90er
Selbst im Vergleich mit der Internet-Boom-Epoche während den 1990er Jahren zählen wir zwei Smartphones auf einen PC, wenn es um die Geschwindigkeit der Adoption bei Konsumenten geht. Auch soziale Netzwerke finden keine derart rasante Verbreitung, diese finden sich angeblich mit einem Drittel der Ausbreitungsgeschwindigkeit von iOS und Android bei den Nutzern ein. Leider erläutert die Quelle nicht ausreichende Details der Studienparameter, denn hier wirkt das Resultat doch etwas verzerrt. Schließlich müsste doch mehr als die Hälfte aller Smartphonenutzer auch bei Facebook, Twitter und ähnlichen Netzwerken landen? In meinen Augen sind diese beiden Innovationen fest miteinander verbunden, was sich auch in alltäglicher Beobachtung von Passanten wiederspiegelt.

China an der Spitze der Adoption
Am Beispiel von China ist der unaufhaltsame Anstieg in der Verbreitung von iOS- und Androidgeräten deutlich zu erkennen: Die Wachstumsrate von ca. 401% per annum mit einer aktuellen geschätzten Anzahl von 128 Millionen aktiven Geräten ist gigantisch, um es milde auszudrücken. In den Staaten hingegen tritt so langsam die Marktsättigung ein, so haben von der Altersgruppe 15-64 inzwischen 78% der Befragten ein Smart Device.
Im Quellartikel wird zudem noch von einer China-Orientierung bei Apple gesprochen, neue Features in iOS 6 werden als “auf den chinesischen Markt ausgerichtet” bezeichnet. Kaum verwunderlich, hat sich doch der Umsatz im Vergleich zum letzten Jahr verfünffacht. Was übrigens zu einem großen Teil an iPhone-Verkäufen festzumachen ist.
“Mein Smartphone langweilt mich”
Mit derart hohen Ziffern im Bereich der Marktsättigung stellt sich natürlich die Frage, wie die Zukunft aussehen soll. Durchschnittsverbraucher verlängern ihren Vertrag mit einem neuen Gerät, kaufen jährlich bis zweijährlich ein neues Gerät oder wechseln sogar noch öfter die Marke. Immer öfter beobachte ich im Netz oder Alltag Äußerungen wie “Mein aktuelles Smartphone langweilt mich.” oder “Ich kann das Design meines [1-2 Jahre alten] Smartphones nicht mehr sehen!”. Da frage ich mich doch, ob besagte User das Potenzial ihrer Geräte nicht ausschöpfen oder eher noch gesellschaftlichen Zwängen unterliegen, denn die genannten Gründe erscheinen mir äußerst flach. Womit wir wieder beim Overkill-Thema wären.
Anti-Konsumerismus-Autoren sprechen oft von Konzepten wie “künstlichem Bedarf” oder implantierten Ideen in den Köpfen der Konsumenten. Ich glaube allerdings nicht, dass solche Kräfte noch von Nöten sind. Es geht schließlich nicht um Tupperware, größere Fernseher oder Wasserfilter, die an den Mann gebracht werden müssen. Die Produkte lassen sich eher als hochtechnologische schweizer Taschenmesser beschreiben, die zusätzlich mit dem beeindruckendsten sozio-technologischen Phänomen unserer Zeit, dem Internet, verbunden sind. Und das fast überall. Wer will so ein Teil nicht gerne besitzen?
Four Cores but half a Brain
Doch zum Trotze der hohen Adoptionsrate sind die schier unendlichen Möglichkeiten dieser kleinen Wunderpakete eher in Angry Birds und Facebook gemündet – weil eine überwiegende Masse der Verbraucher schlicht und ergreifend überfordert mit der neuen Eroberung war. Jetzt wo ein Großteil der westlichen Welt mit der passenden Hardware versorgt ist, sich durch Trilliarden Bytes an Crapware kämpft, vielleicht auch mal das Gerät mit unüberlegten Updateaktionen zerschießt und noch immer nicht auch nur ein Drittel des Potenzials nutzt – tja. Da machen wir uns doch mal Sorgen über den schwindenden Unterhaltungswert des Designs unserer Endgeräte.
Eine (nicht ganz ernste) Hypothese an dieser Stelle: Wer nicht in ganzen Sätzen spricht, schreibt und denkt, mit mattem Blick durch die Welt geht und vor allem Wert auf Markenzugehörigkeit legt, die er mittels profaner Kommentare im Netz und Imitation der stammesüblichen Parolen regelmäßig verbreiten muss, hat vermutlich gerade genug Grips für die Akquise und Inbetriebnahme eines Endgerätes übrig. Wenige Monate vergehen. Während zunächst das Grau des Alltags schwand, das triste Leben gar lebenswert und aufregend erschien, stellt sich nun die Lernkurve in den Weg des Käufers. Genau hier knüpft die Message der Industrie dann doch wieder an. Kauf Dir die nächste Generation, sagen sie. Dann wirst Du glücklicher sein. Und Homo Smartphonus gehorcht. Der selbstauferlegte Zyklus beginnt von neuem. Erkennt sich jemand wieder?

Nein Kevin, wir haben doch gerade erst neues Spielzeug gekauft.
Dabei ist der Ausweg eigentlich so leicht. Während die technologische Diffusion die von Prof. Everett Rogers in seinem 1962er Buch Diffusion of Innovations so treffend in Gruppen kategorisiert und beschrieben wurde (Early Adopters gab es schon immer und den Begriff dazu bereits vor Apple’s Zeit) ziemlich unausweichlich ist, können wir uns gegen äußerliche Stimuli der Industrie und unseres Umfelds wehren.
Sehr zu begrüßen wäre eine Mentalität, die eher auf eine Realisierung von funktionellen Potenzialen unserer Geräte (darunter fällt auch Medienkonsum, den ich hier nicht ausschließen würde) und kreativen Ergebnissen (die aus unserer Nutzung folgen) ausgerichtet wäre, als auf ein “guck mal Alda, wie geil die Kamera von S3 ist, so viel Megapixels”.
Erschaffen, Forschen und Entdecken statt Nachplappern und Attackieren
Dazu muss auch keine genetisch modifizierte Generation von hyperintelligenten Nachkommen herangezüchtet werden. Ein wenig Selbst-Reflektion und Ehrlichkeit vor dem nächsten Kauf wären bereits ein riesiger Schritt nach vorne. Auch wenn die beiden japanischen Kids im folgenden Bild vermutlich keine weltbewegenden Entdeckungen mit ihren Smartphones machen werden, ist der kognitive Prozess bei forschenden und neugierigen Kids wesentlich ausgeprägter als beim Durchschitts-User, der mittlerweile drei Geräte durchlaufen hat. Kurz: Wer sich mit seinem Gerät langweilt, hat vermutlich die Augen noch nicht so recht geöffnet.

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