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Pixelmator 2.1.2 im Review: Photoshop-Ersatz oder Nothilfe?

Pixelmator 2.1.2 im Review: Photoshop-Ersatz oder Nothilfe?

Wir durften Pixelmator nun einige Wochen testen und auf die Alltagsprobe stellen. Ist der beliebte Grafik-Editor für den Mac mittlerweile mit Photoshop zu vergleichen, reicht es für bestimmte Nutzergruppen oder fehlt es dem Programm an wichtigen Funktionen?

Im Zuge der letzen Jahre avancierte Pixelmator als starke und erschwingliche Alternative zum doch recht hochpreisigen Adobe Photoshop. Es gibt zwar eine “Elements”-Version vom Adobe Produkt, diese kann jedoch nur mit Workarounds für den (semi-)professionellen Alltag eingesetzt werden. Pixelmator ist hingegen eine vollwertige Bildbearbeitungssuite mit einer breitgefächerten Werkzeugpalette und (fast) ohne Einschränkungen zu genießen.

Pixelmator beherrscht Ebenen. Ebenen sind unerlässlich für fortgeschrittene Fotobearbeitung, fast jede Form von Grafik und Compositing, oder auch die Texturerstellung für Games. Der Vorteil von Ebenen liegt einerseits in der non-destruktiven Arbeitsweise (alte MS Paint Künstler wissen um die Impraktikabilitäten einer fragilen “Leinwand”) die sie ermöglichen, andererseits in der Möglichkeit die Ebenen auf unterschiedliche Art und Weise miteinander zu mischen (Blending Modes / Blendenmodi). Auf dieser Basis lassen sich alle Werkzeuge verbinden oder voneinander trennen, um beispielsweise Text auch im Nachinein bearbeiten zu können.

Eine Kiste voller Tools

Hinzu kommen alle grundlegenden Werkzeuge, die ein Fotograf, Webgrafiker, Pixelschubser oder Hobbyist so brauchen könnte: Textwerkzeuge mit typografischen/layoutbezogenen Funktionen, Zeichenwerkzeuge für Vektorlinien und -Formen sowie pixelbasierte Pinsel, die auch auf den Stiftdruck eines Grafiktabletts reagieren können.

Digitale Malerei ist also ebenso mit Pixelmator machbar, da ihr diverse Parameter des Pinsels (Farbfluss, Farbdeckung und Interaktion mit anderen Farben über die Ebenenenblendmodi) anpassen könnt. Wie bei Photoshop kann auch die Fluktuation der Pinseleigenschaften per Zufall eingestellt werden, sodass der Strich weniger digital wirkt und etwas von den natürlichen Merkmalen eines traditionellen Mediums bekommt, oder eine bestimmte Textur imitiert. Auch gespeicherte Bilddaten können als Pinselspitze dienen, genau wie beim Vorbild Photoshop. Somit könnt ihr ein selbstgemaltes Muster oder den Ausschnitt aus einem Foto als Basis für eine eigene Pinselspitze benutzen. Die beschriebenen Möglichkeiten sind auch für Fotografen relevant, die sich gerne mit Bildretusche auseinandersetzen möchten.

Unterschiede der Pinseleinstellungen

Unterschiede der Pinseleinstellungen

Das bringt mich zu den Retuschetools, die zwar nicht mit dem Content-Aware-Algorithmus von Adobe mithalten können, allerdings auch nur verminderten Komfort bedeuten. Hochkarätige Algorithmen produzieren ebenso hin und wieder unverständliche Resultate, bei denen von Hand nachgebessert werden muss. Bei Pixelmator haben wir ein “Healing Tool”, welches ebenso etwas eigenwillig daherkommt. Für die Entfernung von Unreinheiten oder sonstigen unerwünschten Flecken reicht es jedoch aus. Das obligatorische Rote-Augen-Tool für wenige versierte User ist natürlich auch vorhanden und funktioniert einwandfrei. Ein “Magic Eraser” erkennt Kontraste und löscht beispielsweise einen einfarbigen Hintergrund weg, was überraschenderweise sogar manchmal akzeptable Resultate liefert. Das soll gar nicht mal so sarkastisch klingen, schließlich ist “Freistellen”, sprich ein Objekt vom Hintergrund befreien, eine der schwierigsten Aufgaben für Automatismen. Dennoch kommen hier natürlich die Resultate nicht an eine saubere Maske heran.

Pixelmator Interface

Pixelmator Interface mit Pinselpalette

Masken dienen dazu, die Ebenen in ihrem Wirkungsbereich nondestruktiv einzuschränken. Ebenen wirken je nach Blendenmodus wie bedruckte Folien, oder aber wie lichtundurchlässige Papierschichten. Mit einer Maske können wir festlegen, wo diese Ebene sichtbar ist und inwieweit sie sichtbar ist. Das wird pixelbasiert festgelegt, dunkle Tonwerte stehen für “unsichtbar” bzw. Transparenz und helle Werte für Sichtbarkeit. Mit dieser Technologie bewaffnet können wir also für eine Ebene eine zweite, unsichtbare “Landkarte” festlegen, in der Pixelmator genau sieht wo etwas transparent oder teiltransparent sein soll. Das ist vor allem beim Freistellen von Personen hilfreich, wo aufwändige Frisuren oder harte Kanten von Hand nachgearbeitet werden können ohne die ursprüngliche Bildinformation durch Löschen zu verlieren.

Mittlerweile (fast) vollständig

Ähnlich Photoshop haben wir auch hier einen Nachbelichter & Abwedler, die ebenso für Fotografen und digitale Künstler interessant sind. Diese Werkzeuge dienen zur lokalen Bearbeitung von Belichtungswerten und können beispielsweise Kontraste in Gesichtern intensivieren. Wie bei Photoshop können wir auch hier zwischen drei Tonwertregionen (Lichter, Mitten, Tiefen) wählen, um die gewünschte Korrektur gezielt vornehmen zu können. Lokales Scharfzeichnen oder Weichzeichnen ist natürlich auch mit von der Partie. Der Schwamm in der Toolbar dient der Regulation der Farbsättigung und lässt sich genau wie das Pinselwerkzeug frei konfigurieren. Ein Wischfinger-Tool macht genau das, was der Name suggeriert.

Um unsere Manipulationen am Bildmaterial auf bestimmte Regionen zu beschränken können wir einerseits vorsichtig arbeiten. Eine andere Möglichkeit bieten duplizierte Ebenen mit Maske. Wer allerdings malt/airbrusht oder genau weiß, was für eine Korrektur er in welcher Form vornehmen will, braucht auch Selektionen. Die dazu passenden Auswahltools bietet Pixelmator in Form von Rechteck, Elipse, Lasso und polygonalem Lasso.

Vernünftige Selektionen

Zusätzlich haben wir den Zauberstab den wir aus Photoshop kennen – jedoch hat dieser eine coole kleine Bonusfunktion: Zum Regeln der Toleranz müssen wir nicht (archaisch) irgendwelche Zahlenwerte eintippen (und auf gut Glück raten), sondern können per Click-and-Drag den Toleranzbereich mit visuellem Feedback definieren. Das ist wirklich ein nettes, zeitsparendes Feature, welches völlig natürlich zu bedienen ist. Wollen wir mehr Material im Selektionsbereich haben, ziehen wir einfach den Mauszeiger weiter weg vom ursprünglichen Punkt des Klicks. In einem farbigen Overlay sehen wir dann, wie viel wir tatsächlich erwischen, wenn wir jetzt loslassen. Natürlich lassen sich auch hier alle Selektionswerkzeuge mit Addition, Subtraktion, Schnittmenge oder Ausschlussverfahren kombinieren, sodass komplexe Auswahlbereiche möglich sind.

Etwas unflexible Vektortools

Der Zeichenstift dient dem Erstellen von sogenannten Vektorformen, die sich ohne Qualitätsverlust beliebig skalieren und colorieren lassen. Wie bei Photoshop wurde hier leider ein Hotkey ausgespart, der es wie bei Adobe Illustrator erlaubt, den aktuell gesetzten Punkt live zu verschieben während man zeichnet. Schade eigentlich, denn hier hätte Pixelmator nochmals kräftig punkten können. Der Zeichenstift/Pen dient nämlich oftmals dem “Vektorisieren” oder Nachfahren von Foto-Konturen, was mit dieser kleinen Zusatzfreiheit bzw. Flexibilität wesentlich einfacher für Einsteiger wird. So müssen Punkte, die nicht auf Anhieb ganz richtig sitzen, mit einem separaten Arbeitsvorgang verschoben oder justiert werden. Immerhin wird hier nicht die unnötige Unterscheidung zwischen mehreren Werkzeugen gemacht, der User kann beim Pen Tool bleiben. Dennoch wirkt diese Einschränkung etwas altbacken inmitten der ansonsten sehr modernen und stromlinienförmigen Oberfläche. Insgesamt ist die Performance innerhalb Pixelmator bei der Arbeit mit Vektor-Shapes aus den vordefinierten Formen oder dem Stiftwerkzeug jedoch erste Sahne, die Anzeige ist stets flüssig und selbst auf einem schwachbrüstigen Mac lässt es sich hiermit gut arbeiten. Auch die visuelle Darstellung von Pfadsegmenten ist klar und leicht zu verstehen.

Leider bietet Pixelmator nach wie vor keine Unterstützung für sogenannte “Custom Shapes”, also eigens oder aus dem Netz vordefinierte Vektorformen für Illustrationen. Ebenso lassen sich Flächen nicht mit definierbaren Mustern füllen. Wer also auf diese Funktionen angewiesen ist, wird um Workarounds nicht herumkommen. Eine Idee hierzu wäre vielleicht, sich die oft benötigten Shapes als separate Datei in Form einer “Datenbank” anzulegen, um diese bei Bedarf Copypasten zu können. Das ist natürlich fernab der Praktikabilität, wenn es mit vielen Shapes zur Sache geht. Dasselbe gilt für Ebeneneffekte, die auch nicht in selbstdefinierten Paketen abgespeichert werden können.

Das Croppen oder Zuschneiden der gesamten Arbeitsfläche lässt sich mit dem passenden Werkzeug bewerkstelligen, das auch die Festlegung eines Seitenverhältnisses unterstützt. Leider lassen sich hier keine festen Pixelmaße eingeben, diese müssen praktisch “von Hand” nachgezogen werden, wenn beispielsweise eine exakte Breite für das Web gefragt ist. Lustigerweise ist das in Photoshop CS6 auch eine Nuisance geworden, vielleicht haben sich die Hersteller abgesprochen? Abgesehen davon sind sämtliche Transformationen wie Spiegeln, Rotieren und dergleichen easy machbar. Was definitiv fehlt sind die Smart-Objekte von Photoshop, die eine Degradation der Pixelinhalte bei Transformationen und Filtern vermeiden. Dahingehend ist Pixelmator also noch im destruktiven Workflow stehengeblieben.

Pixelmator 2.1.2 auf dem Mac, Vollbild

Die Vollbildmodus-Unterstützung macht die Oberfläche übersichtlicher.

Neu sind in Pixelmator 2.1 vor allem die Retina Display Unterstützung, der Vollbildmodus, iCloud-Unterstützung und neue Effekte. Effekte sind wie Filter in Photoshop, die verschiedene Bildaspekte manipulieren. Neue Effekte in Pixelmator erinnern übrigens nicht nur ein wenig an Instagram. Im letzten Patch 2.1.2 wurde das Healing Tool spürbar verbessert, es gibt also regelmäßige Updates mit Tweaks und Fixes.

Endlich schmerzfrei Ausrichten und Positionieren

Mein Favorit unter den zahlreichen Neuerungen sind die Hilfslinien. Wie bei Illustrator und später Photoshop (Smart Guides heißen sie bei der Konkurrenz) helfen die “Alignment Guides” beim Ausrichten von Objekten. Ohne dass der Nutzer einen Finger rühren muss, werden die Oberkanten, Unterkanten, Seitenkanten oder Zentren sowie gleichmäßige Abstände erkannt und in Form von Hilfslinien angezeigt. Dieser kleine Zusatz ist immens hilfreich wenn es ans Layouten oder schnelle Korrekturen an der Anordnung von Objekten geht. Mit dem Teppichmesser kann ein Gesamtwerk für das Web in separate Grafiken zerschnitten und in einem Schritt exportiert werden.

Etwas nervig ist auch, dass der normale Exportvorgang keinen Standardhotkey besitzt, was unter Mac OS X jedoch schnell geändert werden kann. Angenehm ist hingegen die Vereinheitlichung des Interfaces gegenüber Photoshop: Anstatt Bildanpassungen und Filter zu trennen, landet einfach alles in der Effektpalette. Dort findet sich auch eine repräsentative Übersicht der Auswirkungen der jeweiligen Filter/Effekte. Schön ist auch die Anpassungsfähigkeit der Werkzeugpalette, die ganz nach dem eigenen Gusto eingerichtet werden kann.

Mein Fazit: Super Preis-Leistungsverhältnis

Pixelmator fühlt sich modern an und entwickelt sich in die richtige Richtung. Mit dem Support für PSD-Dateien und alle gängigen Formate bietet Pixelmator reichlich Funktionalität für Einsteiger und Fortgeschrittene. Wer eine günstige und potente Alternative zu Photoshop CS6 sucht und Mac User ist, wird bei Pixelmator sicher glücklich. Natürlich müssen bei dem Preisbereich gewisse Abstriche drin sein, die sich im teilweise destruktiven Workflow und fehlenden Kleinigkeiten zeigen. Dafür ist Pixelmator jedoch performant, flott und größtenteils intelligent. Das neue Healing Tool kann mich noch nicht so recht überzeugen, dafür ist der Rest vom Gesamtpaket stimmig und absolut in Ordnung für den Preispunkt. Umsteiger von Adobe Photoshop werden vielleicht zunächst die Tastaturshortcuts umändern wollen, denn da sind einige Stolpersteine versteckt. Wer sich diese angewöhnt oder umändert, kommt jedoch schnell mit dem Tool zurecht.

P.S.: Pixelmator hat eine kostenlose Testversion außerhalb des Mac App Stores, falls ihr eine Probefahrt wagen wollt. Freunden von webbasierten Werkzeugen und Photoshop-Erfahrenen empfehle ich außerdem Sumo Paint, eine hervorragende kostenlose (werbegestützte) Alternative für viele Aufgabenstellungen mit großer Nähe zum Original.

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