Google Maps für iOS: Fluch oder Segen für Apple?
Vor wenigen Tagen war es so weit: Die lang erwartete Google Maps App fand ihren Weg in den App Store und ist seitdem kostenlos für iPhone, iPad und iPod touch erhältlich. Innerhalb kürzester Zeit kletterte Googles Kartendienst auf Platz eins der Download-Charts und bekam bisher fast ausschließlich positives Feedback. Apple hatte vor kurzem erneut mit Negativschlagzeilen über den eigenen Kartenservice zu kämpfen und so scheinen Verlierer und Gewinner bzgl. der Maps eigentlich festzustehen: Google top, Apple flop. Ein US-amerikanischer Analyst sieht dennoch eine Chance für Apple.
Die Rückkehr von Google Maps auf das iPhone sei “ein zweifelhafter Segen” (eng: “mixed blessing”) für Apple, sagte Charlie Wolf von Needham & Company gestern. Googles Kartenservice, der früher auf allen iPhones, iPads und iPods vorinstalliert war, wurde unter iOS 6 durch Apples eigene Karten ersetzt. Das Problem an der Sache ist, dass die Apple Maps größtenteils nicht marktreif und sogar fehlerhaft sind. Der Unmut der Kundschaft war damals sogar so groß, dass sich Apple-Chef Tim Cook offiziell entschuldigen musste.
Die Karten des Marktführers sollten Abhilfe schaffen und so ist es nicht verwunderlich, dass die Downloadzahlen der Google Maps App innerhalb kürzester Zeit in die Millionen gingen. Worüber sich Google noch mehr freuen wird ist, dass die Kunden mit der Applikation zufrieden sind: 4,5 von 5 Sternen im App Store. Der Aufwand scheint sich also gelohnt zu haben, denn immerhin steckte Google enorm viel Arbeit in die App und musste sogar zugeben, dass diese nun besser ist als die unter Android, dem eigenen Betriebssystem.
Google ist also definitiv der Gewinner im “Maps-Battle”, denn viele iPhone-Besitzer werden wahrscheinlich lieber Googles anstatt Apples Karten nutzen. Durch die Platzierung von standortabhängiger Werbung lässt sich so nebenbei noch eine Menge Geld verdienen. Es scheint mehr als fraglich, was Apple aus dieser Situation für Vorteile ziehen könnte. Laut dem Analyst Charlie Wolf sollen die Karten der Konkurrenz allerdings dafür sorgen, dass in Zukunft mehr iPhones verkauft werden.
Google Maps als Kaufgrund für das iPhone?
Wolfs Ansicht nach haben viele Kunden vom “Apple Maps Debakel” gehört und deshalb lange gezögert, ob sie sich das neuste Apple Smartphone zulegen oder nicht. Jetzt ist die Google Maps App endlich da, was dafür sorgen soll, dass die negative öffentliche Meinung sich zugunsten des iPhones wandelt. Die Kunden hätten jetzt laut Wolf genau das, was ihnen noch gefehlt hat: Ein iPhone mit zuverlässigem, kostenlosen Navi.
Der Analyst erkennt allerdings auch, was für verheerende Folgen die Veröffentlichung von Google Maps für Apples eigene Karten-App haben wird. Zur Verbesserung und Vervollständigung sind die Kalifornier auf das Feedback und die Vorschläge jener Nutzer angewiesen, die jetzt zu Google Maps wechseln werden. Wer geht schon freiwillig das Risiko ein sich zu verirren, bloß um einem der größten internationalen Hard- und Softwarehersteller bei der Verbesserung der Maps-Applikation zu helfen?
Obwohl die australische Polizei, die vor kurzem schon von der Nutzung der Apple Karten abgeraten hatte, auch vor Google Maps warnte, schafft Google das, was bspw. die kürzlich vorgestellten Nokia HERE Maps oder andere Drittanbieter nicht schaffen konnten: Die flächendeckende Etablierung eines Karten- und Navigationsdienstes, der vielleicht sogar mehr Nutzer haben wird, als die systemeigene Apple-Anwendung. Nach YouTube und Google Earth brachte Google mit den Maps eine dritte, sehr populäre App auf eine Top-Platzierung in den Download-Charts des Konkurrenten aus Kalifornien. Was sich die Jungs von Apple einfallen lassen, um einer Monopolstellung Googles entgegenzuwirken, wird sich vielleicht bald, etwa beim nächsten Update, zeigen. In jedem Fall dürfte es spannend werden, zu beobachten, was sich auf dem Gebiet der Karten- und Navigationssoftware in Zukunft tun wird. Um abschließend die im Titel aufgeworfene Frage noch kurz zu beantworten: (Meiner Meinung nach) Fluch und kein Segen!
[via AppleInsider, tom's hardware, Redmont Pie]
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