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Exoplaneten in benachbartem Solarsystem gefunden – Leben im All?

Exoplaneten in benachbartem Solarsystem gefunden – Leben im All?

“Nur” 1200 bis 2700 Lichtjahre von uns entfernt bewegen sich drei wärmliche Planeten – Kepler 69c, Kepler 62e und Kepler 62f - in ungefährer Erdgröße. Das besondere an diesen Planeten ist ihre Umgebung: Sie lassen ihre Solarsysteme zu den ersten Systemen (zuvor entdeckten wir nur einen vergleichbaren Planeten) mit “lebensfreundlichen” oder habitablen Exoplaneten in “für uns” passender Größe zählen und sorgen nicht nur bei der NASA für Freude.

Zwei der Exoplaneten vielleicht mit Wasseroberfläche

Das Planetenduo mit der 62 im Titel kreist um einen Stern, den wir Kepler-62 nennen und ist hinsichtlich der Komposition interessant: Die beiden Exoplaneten könnten mit flüssigem Wasser – sprich Ozeanen – bedeckt sein, sich also auch in der sogenannten Goldilocks-Zone ihres Sterns befinden. Es gibt einen “richtigen” Abstand zum passenden Stern, bei dem flüssiges Wasser und auch die Konditionen für Leben auf einem Planeten herrschen können. Neben den zwei spannenderen Planeten finden sich drei weitere, insgesamt 5 umkreisen den Stern und sind alphabetisch nummeriert von 62b bis 62f.  Ein weiterer Exoplanet mit einem weiteren Stern, Kepler-69, scheint ebenso spannend zu sein.

Gleich drei spannende Exoplaneten für die NASA

Drei so erdähnliche Planeten gab es in dieser konzentrierten Häufigkeit als Fund noch nicht, folglich ist Lisa Kaltenegger von der Harvard Universität recht aufgeregt um diese Entdeckung. Der Fund wurde gestern im NASA Ames Forschungszentrum in Moffett Field, Kalifornien bekanntgegeben und in der aktuellsten Ausgabe von Science veröffentlicht.

800px Kepler Space Telescope 620x823 Exoplaneten in benachbartem Solarsystem gefunden   Leben im All?Erfasst wurden die drei interessanten Exoplaneten mit dem Kepler Weltraumteleskop, das nach dem deutschen Astronomen Johannes Kepler benannt wurde und die Mission hat, nach besagten extrasolaren Planeten zu suchen. Exoplaneten umkreisen einen Stern, der nicht unsere Sonne ist, sondern haben sozusagen ihre eigene Sonne im eigenen Solarsystem. Die Begriffe “Sonne” und “Stern” sind übrigens in ihrer Bedeutung ziemlich gleich, ersterer bezeichnet nur den Stern, den wir in unserem Sonnensystem haben. Projekt Kepler ist seit etwa 4 Jahren auf dieser Mission und hat tausende planetare Kandidaten in dieser Zeit entdeckt, jedoch keine so tauglichen wie die, die gestern bekanntgegeben wurden:

Kepler 62e und Kepler 62f, wie die beiden fremden Welten von uns genannt werden, haben beide in etwa 150% der Erdgröße und sollten somit aller Wahrscheinlichkeit nach steinern (“Gesteinsplaneten”) sein. Oberhalb der doppelten Größe unseres Heimatplaneten könnten die Planeten eher kleine Varianten von Neptun sein – also gaslastig mit keiner definierten, festen Oberfläche, im Bereich des 1,4- respektive 1,6-fachen des Erdradius stehen die Chancen allerdings sehr gut. Beide umkreisen einen alten Stern, der von uns aus in “gemütlicher” Reichweite von 1200 Lichtjahren liegt und wesentlich dunkler (20% der Helligkeit unserer Sonne) sowie kühler als unsere Sonne brennt – folglich in roter Farbe zu sehen.

Größenvergleich der bekannten, habitablen Exoplaneten mit unserer Erde:

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Links nach rechts, alle bislang bekannten Planeten aus der Lebenszone eines Sterns: Kepler 22b (2,4x Radius vgl. Erde, länger bekannt), die “neuen” Kepler 69c, 62e, 62f und unsere Erde. Bis auf die Erde handelt es sich um Darstellungen eines Künstlers zur Veranschaulichung der Größenverhältnisse.

Der dritte spannende Exoplanet im Bunde, Kepler 69c, befindet sich im Orbit eines anderen Sterns, der etwa 2700 Lichtjahre von uns entfernt ist. Dieser Exoplanet ist mit einer Sonne ausgestattet, die der unseren ähnelt (93% der Größe, 80% der Helligkeit) und ist selbst etwa 1,7 mal so groß wie die Erde. Zum ersten Mal wurde ein potenziell steiniger Exoplanet in der Gegenwart eines Sterns gefunden, der mit unserer Sonne so gut vergleichbar ist und so klein ist (was etwas Gutes ist, wir erinnern uns an Gas vs. Stein!). Der Exoplanet Kepler 69c umkreist seinen Stern in etwa in der Distanz, die unsere Venus zu unserer Sonne hält. Wir wissen von unserer Venus, dass diese Distanz zwar in der Goldilocks Zone ist, aber auch möglicherweise wie in unserem Fall einen Treibhauseffekt  (bedingt durch eine dicke Atmosphäre) erzeugen könnte, der den Planet wiederum unbewohnbar heiss machen würde. Sein Nachbar, Kepler-69b ist beispielsweise doppelt so groß wie unser Planet und zudem viel zu nah an seinem Stern dran, um Leben oder Wasser beherbergen zu können. Es spielen also zahlreiche Parameter eine Rolle.

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Kepler 62f mit 62e (rechts, klein) als Morgenstern. Artwork: NASA

Habitable Zone = Außerirdisches Leben?

Kaltenegger soll Presseberichten zufolge sogar über mögliches Leben auf 62f und 62e spekuliert haben, das sich unter Wasser und gegebenenfalls unter einer dichten Wolkendecke abspielen würde – was sich auf den Charakter von dortiger Technologie auswirken könnte, wenn es denn welche dort gäbe. Oder überhaupt Leben. Einige Statements aus dem jüngsten Kepler-Bericht lesen sich etwas mutig und spekulativ, vermutlich ist die Interpretation dieser auch in diesem Kontext bestens aufgehoben. Die Daten aus dem Kepler Weltraumteleskop liefern nämlich keinen eindeutigen Aufschluss, sondern nur Ansätze für besagte Vermutungen über die Oberflächenqualitäten oder Kerne der Planeten. Beide Exoplaneten benötigten für die Unterhaltung von Leben sehr spezifische Faktoren, die von Treibhaus bis Kühlung reichen.

Sicher ist, dass es nur eine Frage der Zeit sein kann, bis wir wissen wie viele “Erden” es in unserer Galaxie gibt – oder wie alleine wir wirklich sind. Seit gestern wissen wir, dass zwei bis drei vernünftige Kandidaten in der Nachbarschaft unterwegs sind, oder es mal waren. Immerhin bedeuten 1200 Lichtjahre auch, dass unsere Messungen mit erheblicher Verzögerung hier angekommen sind – denn schneller als das Licht können wir nicht “sehen”.

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So könnte Kepler-62f aussehen. Der Exoplanet in Super-Erden-Größe ist etwa 40% größer als die Erde und hat einen Zyklus von 267 Tagen um seinen Stern. Artwork: NASA

Hör-Tipp für Interessierte:

Wer sich für Astrophysik interessiert, dem sei der hervorragende Podcast von Neil deGrasse Tyson ans Herz gelegt, der solche Themen regelmäßig behandelt. Bei StarTalk geht es beispielswiese um eben diese magische Distanz zu einer Sonne bzw. einem Stern, die auf einem Planeten die nötigen Voraussetzungen für Leben schaffen oder begünstigen kann. Oder um den spannenden Umstand, dass unsere Körper aus “Star Stuff”, also Material aus dem All bestehen. Hört einfach mal rein.