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Amazon: Neue Roboterflotte fährt für Euch die Regale herum

Amazon: Neue Roboterflotte fährt für Euch die Regale herum

Im Jahre 2012 erwarb Amazon das Robotik-Unternehmen Kiva zu einem Preis von etwa 775 Millionen US-Dollar. Heute sehen wir die Früchte dieser Investition in Form der 8. Generation der Logistikzentren des Versandriesen.

Früher oder später läuft das Unternehmen sowieso auf nahezu Vollautomation heraus, das ist schon länger absehbar. Es werkeln 15.000 Kiva-Roboter in den Vereinigten Staaten, die neueste Generation der Logistikzentren deckt bereits 10 Standorte ab. Etwa 20 Jahre an Feintuning und Entwicklung stecken in den Technologien und Arbeitsabläufen, die für zügige Lieferzeiten und niedrige Preise sorgen sollen.

Sie sind Borg

Neu in den aktuellsten Logistikzentren ist der sogenannte Robo-Stow, ein Arm-Roboter mit der Fähigkeit auch größere Produktladungen präzise zu verstauen. Mitarbeiter in der Logistik bedienen mittlerweile immer höher entwickelte grafische Oberflächen, die vermutlich auch auf ein Verkürzen der Einarbeitungszeit abzielen.

Diese kleinen Roomba-mäßigen Roboter von Kiva stemmen (falls ihr das noch nicht kanntet) die Regale für ihre menschlichen Kollegen, bringen sie in Windeseile an den Ort der genaueren Selektion und optimieren somit die Abwicklung:

kiva

Streiks und Gewerkschaftsattacken: Gerechtfertigt?

Für die Weihnachtssaison 2014 stellt Amazon dieses Jahr 14% mehr Mitarbeiter ein als im Vorjahr, um die 80.000 Frauen und Männer sollen als saisonale Helfer mit anpacken. Für die Arbeitsbedingungen geriet Amazon in der näheren Vergangenheit immer wieder unter Feuer, hierzulande kämpft ver.di für die Saisonarbeiter und gegen den Konzern.

Inwieweit die Lage in der Realität aussieht ist für uns Außenstehende schwer zu beurteilen, ich habe mal kurz mit einem Logistikmitarbeiter ("Picker") gesprochen, der mit seinem Job in Süddeutschland im Lager ziemlich zufrieden war. Gleichwohl kann man sich aber auch vorstellen, dass die Entbehrlichkeit und Austauschbarkeit von einfach zu besetzenden Positionen irgendwann in Unmenschlichkeit mündet, wie bei vielen großen Konzernen.

amazon-picker

Ich sehe die Situation so: Bei den Jobs der "Picker", die ihre robotischen Kollegen durch menschliche Hand-Auge-Koordination unterstützen, handelt es sich leider nun mal um eine Art Auslaufjob. Früher oder später lässt sich diese Tätigkeit kosteneffektiver in nötiger Geschwindigkeit auch von Maschinen durchführen, was mir in dieser Rolle auch recht klar wäre.

Professionelle Entbehrlichkeit bedeutet folglich auch Umorientierung, Weiterbildung oder Aufstieg - wie einst der Pferdepflug durch den Traktor ersetzt wurde, wird auch der Picker irgendwann entweder am Steuer sitzen müssen können (ergo, die Maschinen auf rudimentärer Ebene Wartungsarbeiten durchlaufen lassen oder Überwachen) oder hoffentlich eine neue Aufgabe finden.

Bis dahin gilt es natürlich, die Konditionen so menschlich und machbar wie möglich zu halten, aber es ist nachvollziehbar, dass sich Bezos und seine Manager eher auf ihr Business und Prozesse konzentrieren, als auf das humanitäre Wohl.

Zudem halte ich es für zumindest möglich, dass ein Unternehmen wie Amazon erheblich mehr Druck durch Gewerkschaften und Mitarbeiter standhalten muss, als der mittelständische Familienbetrieb um die Ecke (der womöglich schlechtere Konditionen und Bezahlung bietet). Wie gesagt, die tatsächlichen Umstände könnte man mit tieferen Einblicken besser beurteilen.

Robostow

Es liegt also durchaus an den Mitarbeitern, auf Missstände aufmerksam zu machen und im Worst-Case-Szenario auch zu streiken - aber ein tolles Auskommen und super Konditionen kann man meines Erachtens in dieser Position als "menschliche Übergangslösung" dauerhaft nicht erwarten.

Was bedeutet das für uns als Kunden? Ist es moralisch verwerflich bei Amazon zu bestellen, oder handelt das Unternehmen einfach so, wie es handeln muss? Hier gibt es noch ein Video, das den Geräuschpegel in den Hallen und mehr vom Layout zeigt.


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