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Bitcoin-Kurs tanzt zur Panik: Silk Road Auktion

Bitcoin-Kurs tanzt zur Panik: Silk Road Auktion

Im letzten Herbst wurde die Online Drogenbörse Silk Road erfolgreich zum Kippen gebracht, gleichzeitig erwartete man einen immensen Einbruch für den Bitcoin-Kurs. Überraschenderweise war die Reaktion des Marktes eine andere - in sehr kurzer Zeit erholte sich der Preis und schoss nach oben, jetzt sollen die einst beschlagnahmten Coins einen neuen Besitzer finden. Psychologisch ließ sich die schnelle Erholung damals so interpretieren: Bitcoin sei unabhängig von Silk Road wertvoll und habe intrinsischen Nutzen jenseits illegaler Anwendungen.

Aufgrund der großen Menge der bald zu auktionierenden Coins besteht aktuell große Ungewissheit, zunächst zeichnete sich Panik an den Charts ab. Innerhalb weniger Momente war die BTC nicht mehr rund 465 Euro wert, sondern nur noch 425 Euro - bis zu einem Boden von 405 Euro stürzte der Kurs auf dem europäischen Exchange "Kraken" und parallel ähnlich auf allen anderen Märkten.

Für erfahrene Trader und hochwertige Bots bieten solche volatilen Preisbewegungen natürlich exzellente Chancen für Profite, gleichzeitig kann das Geschäft auch nach hinten losgehen. Rasant schoss der Kurs wieder auf über 400 Euro, um schließlich wieder partiell einzubrechen - eine Achterbahn, die ihresgleichen sucht.

Bitcoin-Kurs rauscht ab - günstiger Einstieg?

Wieso überhaupt die Panik? Ungewissheit wäre wohl die treffendste Beschreibung für diesen emotionalen Trigger, der viele zum Verkauf ihrer Bitcoins trieb. Ziehen genügend ängstliche Investoren an einem Strang, freut sich der Großeinkäufer beim Aufsammeln günstiger Crypto-Währung. Die nächsten Tage werden spannend (no running-gag intended), denn beim US Marshals Service stehen jetzt die Silk Road Coins zum Verkauf.

Was bedeutet die Übernahme von 144.000 BTC von Ross Ulbricht (dem mutmaßlichen Kopf hinter Silk Road) und 30.000 Coins von Silk Road selbst? Beim aktuellen Preis wären wir im groben Schnitt bei 74.820.000 Euro an digitaler Währung. Zunächst werden zwar nur letztere Coins verkauft, aber selbst das ist eine gewaltige Bewegung von Bedeutung. Ein kurzsichtiger Blick auf den Kurs ist übrigens auch dezent schockierend:

Bitcoin-Kursentwicklung am 13.06.2014

fast 30.000 BTC stehen - recht plötzlich - zum Verkauf

Wer kann überhaupt so eine Menge an Coins kaufen? Die allgemeine Angst der Hobbyinvestoren zeichnet sich in Foren ab: Sogenannte "Wale", sprich gut betuchte Bitcoin-Investoren mit großen Überschüssen aus glücklichen Trades oder anderweitig umfangreichen Ressourcen - oder gar Wallstreet-Unternehmen - könnten mit dieser Masse einen kontrollierten Crash auslösen.

Wirft man einen Teil der bereits angesammelten, eigenen Coins strategisch günstig auf den Markt, wird die breite Masse verunsichert und der Preis rutscht bis zu einem mehr oder minder geplanten "Boden" ab. Auf dem Weg nach unten sammeln die "Wale" wieder ihre Coins auf, diesmal zu einem günstigeren Kurs. So die (vereinfachte) Theorie der Bitcoin-Foren-Geeks und Hobbyinvestoren.

Was bringt eine solche Berg- und (Wal-)Talfahrt, wenn der Kurs nicht wieder steigt? Lang- oder zumindest mittelfristig wäre es ja strategisch sinnvoll, den Preis danach wieder steigen zu sehen. Ansonsten ist der Verdienst recht gering im Verhältnis zum immensen Risiko, da gebe es andere Wege leichter an Geld zu kommen, wenn man so schwergewichtig ist - sagen die Kritiker.

Regierung macht große Kasse mit konfisziertem "Drogengeld"

Die US-Regierung verkauft die konfiszierten Bitcoin aus dem Drogengeschäft nun in einem Zeitraum von 12 Stunden am 27.06.2014 in 10 Blöcken á 3.000 Stück. Gebote werden per Mail über ein Webformular angenommen, es handelt sich beim Verkauf um eine Auktion.

Die Teilnahme an der Auktion der Silk Road Bitcoins erfordert eine Registrierung, die vom 16. bis zum 23. Juni getätigt werden kann. Außerdem muss eine Kaution von 200.000 USD per Überweisung von einem US-Konto bei den Feds landen. Diese wird bei erfolglosem Bieten erstattet. Von der Auktion ausgeschlossen sind logischerweise alle Personen, die irgendwie in Verbindung mit Silk Road oder Ross Ulbricht standen.

Interessant hierbei: Die Regierung hat ein nettes Timing bei diesem Deal bewiesen. Seit der Konfiszierung im Herbst 2013 hat sich der Preis der Bitcoin versechsfacht. Sind die aktuellen, nach unten gerichteten Kursbewegungen vielleicht auch ein Ausdruck der Missbilligung der Regierung durch die größten Bitcoin-Wale?

Hier geht es zum Auktionsdokument des US Marshals Service (USMS)

Moralisch ist der Deal ja durchaus fragwürdig - beinahe könnte das FBI auch Drogen versteigern, es handelt sich immerhin um Erlöse aus dem Drogengeschäft. Würde man die BTC hierzulande nicht eher vernichten? Die USA und ihre "War on Drugs"-Propaganda sind aus der internationalen Perspektive sowieso mehr als suspekt. Dennoch gibt es keinen Präzedenzfall.

Natürlich könnten die Zusatzeinnahmen aus dieser Auktion einem sinnvollen Zweck zufließen, bei einem wahnsinnig gewordenen Überwachungsstaat mit militarisierter Polizei, rekordverdächtigen Drohnenmissionen und mehr als offensichtlich korrupter Drogenpolitik ist das Gegenteil leider wahrscheinlicher. Außerdem wird in USMS Asset Dokument kein Wort zur späteren Verwendung verloren.

Nur für die Akten, nicht als Darstellung meiner Position zum Thema: Silk Road und das Dark Web haben Situationsgewalt im Drogenhandel von Gelegenheitskonsumenten diverser Substanzen reduziert, wenn man dieser Studie glauben möchte.

Virtueller Handel macht physische Angriffe eben schwer, oder habt ihr schon mal jemanden durch den Monitor erschossen? Ein Großteil des Handels betraf den B2B-Sektor, also Deals zwischen Dealern. Das hebelt die Macht von Kartellen aus, die insbesondere in Südamerika für gewaltvolle Übergriffe bekannt sind.

Ebenso werden auf virtuellen Märkten die lediglich an weichen Drogen interessierten Endkonsumenten seltener mit gefährlichen Leuten und Produkten in direkte Verbindung gebracht. Dass Verbote nirgendwohin führen, haben im Übrigen gegenteilige Experimente bereits eindrucksvoll bewiesen.

Günstig einkaufen - teuer verkaufen: Swing-Trading

Was nun für Bitcoin-Fans besonders spannend ist: Einige Prognosen deuten darauf hin, dass die psychologische Auflösung dieser akuten Unsicherheit nach der Auktion der nächste Katalysator für eine Wiederholung der Bitcoin Price-Bubble sein könnte.

Wir können also reichlich Manipulationsversuche erwarten, wilde Diskussionen und womöglich sogar einen rasanten Anstieg. Aus der Vogelperspektive (jeder Strich entspricht 6h, der Zeitraum reicht vom 26.01.2014 bis heute) sieht das Ganze sowieso wieder anders aus:

Aus der Vogelperspektive sieht alles anders aus

Interesse mit Bitcoin zu handeln? Schau mal hier rein.
(Coverpic "Bitcoin" by antanacoins, Flickr)


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