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Crow flattert durch die iOS-Gaming Presse

Crow flattert durch die iOS-Gaming Presse

Sämtliche größeren Webpublikationen feiern gerade einen neuen Stern am iOS Gaminghimmel. Crow handelt von einer Krähe mit außerordentlichen kämpferischen Eigenschaften, erinnert an Shadow of the Colossus und spielt sich ein bisschen wie Star Fox mit Piepmätzen und ohne Laser.

Unsere Krähe wird von einer anderen Ebene der Realität heraufbeschwört, um (wie das halt mit transdimensionalen Krähen so ist) Rache an Vogelscheuchen, Titanen und dergleichen zu verüben. Im Gameplay wirft sich öfter die Entscheidung auf, ob der Spieler einen Endgegner verfluchen oder verschonen möchte. Diese binären Weichen im Gameplay präsentieren sich meist vor dem Hintergrund der obskuren Storyline. Um alle Aspekte der Geschichte zu erleben, muss die Landschaft ausgiebig erforscht werden. Kleine Randinfo für Hobbyornithologen: Krähen sind wesentlich kleiner als Raben, sehen diesen aber bis auf den flacheren Kopf ziemlich ähnlich.

Das gesamte Gameplay von Crow wird durch ein klassisches Modell eingerahmt: Erforschen und Kämpfen. Wenn man nicht gerade den Gegnern die Augen auskratzt, wird gemütlich und majestätisch durch die Lüfte gedümpelt. Zur adäquaten Untermalung unserer dualistischen Forschungs-Kampfvogel-Reisen lauschen wir epischer Musik á la Herr der Ringe. Wie das Krähen halt so tun, wenn sie auf Ärger aus sind und auf dem iPod kein Platz mehr für Lady Gaga war.

Die Kollegen bei einigen englischsprachigen Gamingseiten beschwören regelrechte Hypehymnen herbei: Das beste iOS Spiel aller Zeiten. Das beste Handyspiel aller Zeiten. Shadow of the Colossus für's Handy. Ein Meisterwerk von einem Spiel.

Halt.

Crow ist zwar schön anzusehen, aber noch rau an den Kanten. Die Story hüllt sich in einen dichten Rauch aus Mysterium und Esoterik-Gelaber und orientiert sich dabei an stilistischen Vorbildern wie Shadow & Demon's Souls (beide übrigens ausgezeichnete Spiele und Underdogs auf der PS3). Irgendwie wirkt das ganze Drumherum jedoch nicht so überzeugend wie bei den typischen Vertretern der epischen iOS-Spiele, zu denen ich auch das spielerisch eher schlichte Infinity Blade zähle. Auch die Menüs und Zwischentexte sind teilweise unglücklich gestaltet worden. Nicht nur hinsichtlich des visuellen Appeals, auch die Funktionalität der Menüs ist nicht halb so durchdacht wie das eigentliche Spiel. Im Upgrademenü versteckt sich beispielsweise der Quit-Button an einer denkbar ungünstigen Stelle: In der rechten oberen Ecke. Folglich beendet ein Großteil der neuen Spieler erst mal das Game nach dem ersten Upgrade.

Die Mechanik der Diamantensuche im Flug- und Erforschungsmodus wird zwar erklärt, allerdings geschieht dies auf eine kontraintuitive Art und Weise. Nach ein Paar Levels kam mir dieser Teil des Spiels eher als unnötige Farce vor, die als Füllmaterial zwischen den Endgegnern dient. So spannend ist die Backgroundstory auch nicht - zu albern wirken die Cutscenes, um sich wirklich die komplette Suche des Terrains dauerhaft anzutun. Die Endgegnerkämpfe fühlen sich an wie ein On-Rails-Shooter ohne Munition, denn nur hier und da kann unsere Krähe wirklich agieren. Hauptsächlich verbringen wir unsere Flugzeit mit Ausweichmanövern und Schildzaubern, zumindest bis zu den späteren Upgrades. Üblicherweise umkreist die Krähe den Endgegner mehrfach, bevor alle Konditionen für den finalen Angriff erfüllt wurden.

Bei aller Kritik: Crow hat seinen Charme und ist sicher ein Werk voller Ambitionen und Herzblut. Auch ich als Kritiker spielte es gerade locker eine Stunde lang und hatte Stellenweise wirklich Spaß dabei. Die Steuerung in den Endkämpfen ist hervorragend umgesetzt worden, auch die Musik und der allgemeine Feel tragen zu einer interessanten und (im mobilen Bereich seltenen) Atmosphäre bei. Wer gegen 3,99 € im App Store nichts einzuwenden hat, sollte sich Crow anschauen. Ich für meinen Teil stehe dem Spiel mit gemischten Gefühlen gegenüber, vielleicht ist das aber auch nur Nörgeln auf hohem Niveau. Einen vergleichbaren Titel zu finden gestaltet sich nämlich schwer und Crow hat durchaus seine schönen Seiten. Zudem muss anerkannt werden, dass es sich hierbei um ein Indiegame und nicht um den Titel einer größeren Schmiede handelt. Wenn alle Randfaktoren betrachtet werden, bleibt der Eindruck eines spaßigen iOS-Spiels.

Großes "aber": Crow als eines der besten App Store Spiele zu bezeichnen halte ich jedoch für völlig verblendete Kurzsicht (oder die Kollegen schreiben alle von einer Quelle ab), denn da gibt es doch wirklich passendere Titel für diese Nominierung.


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