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Der „Liberator“ im Test: Pistole aus dem 3D-Drucker abgefeuert

Der „Liberator“ im Test: Pistole aus dem 3D-Drucker abgefeuert

Defense Distributed ist das Unternehmen von Cody Wilson, das den "Liberator" herstellt. Einen peinlicheren 'Murica-Namen konnten sie wohl nicht für das Teil finden, ich fand "Wiki Weapon" wesentlich passender. Vielleicht "Slayer of Freedom-Haters", aber das wäre ja zu lang gewesen.

Der Name ist übrigens an einer tatsächlichen Einzellader-Pistole aus Stahl angelehnt, die während dem zweiten Weltkrieg aus Stanzteilen gefertigt wurde und als Leuchtpistole getarnt war.

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Die Bauteile des Liberators (Forbes)

Der Liberator ist die erste Pistole aus dem 3D-Drucker, was nicht nur aus Geek-Sicht spannend ist. Anhand der Druckdaten kann sich praktisch jeder Hobbyist mit einem Nagel, 3D-Drucker und dem passenden Kunststoff seine eigene Pistole drucken - lediglich ein kleiner Metallklotz in den Plänen macht die Waffe gesetzeskonform, da sie somit für Metalldetektoren einfach aufspürbar wird. Aber an diese Konstruktionsanweisung muss man sich nicht halten, es ist lediglich ein Workaround für das Gesetz.

Zwei Tests: Einmal per Fernzündung, einmal in der Hand

Die Waffe schwirrte Cody Wilson schon länger im Kopf herum, die Planung und Herstellung von Prototypen inkl. des finalen Modells nahmen in etwa ein Jahr in Anspruch. Er studiert Jura an der University of Texas und ist ein radikaler Befürworter der Handlungsfreiheit, der auch als Anarchist eingestuft werden könnte.

Am zweiten Mai wurde die am Vortag zusammengebaute Waffe das erste mal einem Test unterzogen - auf einer privaten Schießanlage. Dabei wurde die Waffe in einer Halterung montiert und mit einer Schnur von sicherer Distanz aus gezündet. Das Ergebnis: Sie funktioniert tatsächlich. Zumindest ein Schuss mit 38er-Kaliber konnte erfolgreich abgefeuert werden, ohne die Waffe zu zerstören. Ein weiterer Schuss wurde aufgrund einer Fehlausrichtung nicht gezündet.

Der Liberator besteht aus sechzehn Teilen inklusive Federn aus Kunststoff in Spiralform für das Schlagwerk - der Schlagbolzen ist ein recht einfacher Nagel aus Metall. Die Waffe kann mit herkömmlicher Munition aus verschiedenen Kalibern geladen werden, die bekanntermaßen je nach Gesetzeslage und Geografie recht einfach zu akquirieren ist.

Die Herausforderung: Dass das Material den Schuss überlebt

Technisch beeindruckend ist zweifelsohne die Ingenieursleistung hinter der Knarre: Wie lässt sich eine Pistole aus Kunststoff bauen, die sowohl dem Druck, als auch der Hitzeentwicklung einer internen Explosion standhält? Frühere Versuche mit einem Lauf aus ABS-Kunststoff bestätigten an einer herkömmlichen Pistole die Möglichkeit des Erfolgs - ganze 10 Schüsse überlebte die Konstruktion beim Einsatz von 38er-Munition. Dem Erbauer sei selbst nicht hundertprozentig klar wie das überhaupt funktioniere, wobei er auf einen Trick verweist, der in der 3D-Druck-Szene bereits weitläufig genutzt wird. Die Behandlung im Acetonbad zur Oberflächenveredelung bzw. chemischen "Politur" verringere die Reibung und glätte die ansonsten nicht vollständig ebenmäßige Oberfläche der 3D-Druck-Fabrikate.

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Cody Wilson posiert mit seiner Liberator Pistole. (Forbes)

Samstag bewies der finale Test die Funktionsweise der Waffe, die einige CAD-Tweaks von Wilson erfuhr. Gemeinsam mit Forbes und seinem Vater besuchte der Plastikwaffenschmied nochmals die Schießanlage, um die Waffe das erste mal von Hand abzufeuern. Auch diesmal hatte Wilson Erfolg, es wurde niemand verletzt, die Waffe zündete einwandfrei. Ein kleiner Stift im Inneren der Waffe (zum Fixieren des Laufs) brach durch, ansonsten wirkt die Waffe unversehrt.

Ideal für Attentäter, Anarchisten und Auftragskiller?

Kritiker der technologischen Seite sind nun mindestens erstaunt, dass das Projekt überhaupt so weit kam. Politische und militärische Stimmen (unter anderem aus Israel) sind besorgt, dass die Waffe für Attentate und Gewaltverbrechen zum Mittel der Wahl werden könnte - praktisch unverfolgbar, günstig herzustellen und mit bald frei verfügbaren Plänen ist ein solcher Einsatz nicht  nur denkbar sondern sehr wahrscheinlich. Was meint ihr?

Artikelbild: Cody Wilson, Screenshot von Forbes

 


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  • Return Pathfinder

    Ich denke, da der Erbauer ein Student ist, will er nur Geld.
    Im Interesse der Weltsicherheit sollten sich also die vereinigten Staaten jetzt nicht Lumpen lassen und dem jungen Mann die Pläne nebst Herstellungspatenten abkaufen.

    Ich denke das der Erbauer es sowieso nur darauf abgesehen hat, denn als Jura Student sollten ihm etwaiger Konsequenzen bekannt sein.



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