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Eigene Mitarbeiter klauten kräftig bei Apple: 700.000$ Schaden

Eigene Mitarbeiter klauten kräftig bei Apple: 700.000$ Schaden

Vier ehemalige Mitarbeiter eines Apple Stores und eine Sprechstundenhilfe einer Zahnarztpraxis wurden wegen Betrug angeklagt - der Gesamtwert ihrer Aktion liegt bei etwa 700.000 US-Dollar. Über ein mehrstufiges Verfahren ergaunerte sich die Gruppe Apple-Produkte mit gestohlenem Geld, ähnliche Mechanismen gehören wohl zu den momentan beliebtesten Betrugskonzepten.

Vom Datenklau zur Wertschleuse

Das Prozedere lief wie folgt: Sprechstundenhilfe schnappt sich die persönlichen Details von mehr als 250 Zahnarztpatienten, mit den Daten wird online finanzieller Kredit (wohl über eine Form von Kreditkarten) bei der Barclays Bank beschafft. Das Geld aus dem ersten Betrug wanderte dann in Apple-Geschenkkarten, die Mitarbeiter im Apple Store sorgten hierbei für reibungslose Abläufe und erwarben schließlich kostspielige Produkte von dem gestohlenen Geld.

Apple Store Guthaben

Die Monetarisierung gestohlener Daten

Dies war nur möglich, weil die Barclays Bank über das Netz eine Art Instant-Kredit anbietet, der ohne große Hürden als integraler Bestandteil der "Apple-Diebstahl-Pipeline" genutzt werden konnte. Die mit ergaunertem Geld gekauften Geschenkkarten dienten als zusätzlicher Vernebelungsschritt.

Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit platzten irgendwann die Kreditquellen und die Apple-Mitarbeiter durften einige Vorfälle verdecken - ihre Beteiligung schien jedoch die komplette Operation zu betreffen. Von Identitätsdiebstahl über regulären Diebstahl bis hin zu verschwörerischer Betrugsabsicht steht so einiges auf dem Plan für den Richter und die Staatsanwaltschaft.

Ein 30 Jahre alter Devin Bazile könnte sich mit dem umfassenden Verbrechen bis zu 54 Jahre Knast als eine der zentralen Personen in diesem Ring eingebrockt haben. Am 9. April geht es weiter mit der Gerichtsverhandlung. Die restlichen Angeklagten sind übrigens alle jünger als Bazile.

"Oh, the humanity" (Oder: noch ein paar Random-Gedanken zum Konsumismus und Apple-Kult)

Apple Stores sind eben nicht nur ein (wie im Marketing suggeriertes) buntes, fröhliches und zeremonielles Miteinander - sondern realistisch betrachtet auch das wohlhabende Ziel und Mittel zum Zweck für kriminell aufstrebende und eventuell auch gesellschaftlich benachteiligte Menschen aus der Dienstleistungs- und Arbeiterschicht. Große Aufstiegschancen oder attraktive Bezahlung gibt es im Apple Retail Store sicherlich nicht. Ich muss bei solchen Stories immer an die sozio-ökonomischen Umstände unserer Zeit und die nächsten Jahrzehnte denken.

Mal ganz düster und rein hypothetisch betrachtet: Mit einer angenommenen, fortschreitenden ökonomischen Erosion der Mittelschicht, wachsender Einkommensschere/Privatverschuldung und weiterhin hohen kulturellen Signifikanz technologischer Luxusprodukte als Statussymbole kann man sich vorstellen, dass diese Fälle lediglich der Anfang einer unschönen, sich zunehmend materialisierenden Dynamik mit potentiell erheblich krasseren Wirkungen in der Zukunft sind.

Apple, Apple-Kunden und Apple-Produkte stellen eben ein saftiges Ziel für die kurzfristige Bereicherung dar. Letztere sind für manche Bevölkerungsgruppen sogar schon der einzige materielle Schatz (der in Online-Diskussionen blutrünstig wie eine Religion verteidigt wird) in einer schrumpfenden Existenz, nicht selten werden iPhone-Besitzer in bestimmten Gegenden auf der Straße ihres Luxusguts beraubt.

Während Apple mit rekordbrechenden Gewinnen Wirtschaftsgeschichte schreibt, herrscht woanders Austerity-Politik oder Menschen setzen sich unschönen Arbeitsbedingungen aus. Das klingt weitergedacht ein wenig wie SciFi-/Cyberpunk-Literatur, wie (um mal ein klassisches Comic-Beispiel einzubauen) eine dystopische Story über ausgeuferte Megacorporations und Zustände á la Judge Dredd. Natürlich sind wir noch eine ganze Ecke davon entfernt, aber hier und da blitzt die Kulisse hinter dem Vorhang hindurch und zeigt die Realität unserer Lieblingsprodukte.

Bild: Reuters/Bobby Yip

Bild: Reuters/Bobby Yip

Man schaue sich nur einmal an, was mittlerweile schon einen Beruf im Zusammenhang mit dem App Store konstatiert, oder wie die Fertigungsstätten unserer glitzernden Gadgets aussehen, was für eine schmutzige Spur aus Schäden und Abfällen die Produktion hinterlässt - der Kontrast wirkt doch irgendwo schon surreal.

source: ifo AS | via: Cult of Mac


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  • Gustav

    54 Jahre Knast? Besonders der Datenklau über die Zahnarzttannte ist wahrhaftig kein Kavaliersdelikt, aber das scheint mir viel zu überzogen. Jeder betrunkende Totraser wird im Vergleich viel zu milde verurteilt.



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