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FBI und Europol: Rundumschlag gegen „Silk Road“-Nachfolger

FBI und Europol: Rundumschlag gegen „Silk Road“-Nachfolger

Ein weltweiter Angriff auf Tor-basierte Darknet-Märkte für Drogen und andere Dinge findet bereits länger statt, nun ist es aber für drei Seiten offiziell: Das FBI und Europol haben unter anderem Silk Road 2 dicht gemacht.

Nach dem Fall der ersten Silk Road Börse für illegale und legale Gegenstände und Dienstleistungen im sogenannten Darknet oder Darkweb (nicht über den herkömmlichen Weg erreichbar, sondern nur via Tor bzw. Peer to Peer und bei Bekanntsein der URL) dauerte es nicht lange, bis andere "Innovatoren" ihre Pforten öffneten.

Das FBI, Europol und andere Gruppen schlagen zu

Darunter auch Cloud Nine (9) und Hydra, aber auch die zweite Iteration von Silk Road. Diese hatte, abgesehen vom Namen und den dort gehandelten Gütern, allerdings keine Verbindung zu Dread Pirate Roberts und seiner Plattform. Die Kette der aktuellen Verhaftungen und Takedowns der dunklen Märkte ist Teil der Strafverfolgungs-Operation "Onymous".

Die zweite Silk Road stand bereits länger unter Verdacht, entweder von der Staatsgewalt oder von Hackern kompromittiert worden zu sein. Exakt ein Jahr nach dem Start ging die Plattform über den Jordan, nachdem sie monatlich geschätzte 8 Millionen Dollar im Monat in Bitcoin-basierten Verkäufen umsetzte.

Die anderen beiden Seiten waren eher kleine Player, die hinsichtlich der internen Sicherheit aber einen (teils optionalen) höheren Standard mit sogenannten Multi-Signature Transaktionen anstrebten und offenbar im Gegensatz zu SR2 keinen schlechten Namen in der Szene hatten.

Dennoch bleiben die größten Märkte im Geschäft

Größere und sehr gut besuchte Märkte in Form von Agora und Evolution bleiben weiterhin online und werden vermutlich Händler wie Endverbraucher der hochgenommenen Plattformen absorbieren. Der staatliche Kampf gegen den illegalen Drogenhandel im Netz bzw. Brief- und Paketversand scheint recht ineffektiv zu sein, denn bei jedem größeren "Bust" sprießen weitere Plattformen aus dem Boden und weisen immer ausgefeiltere Sicherheitsprotokolle auf. Der nächste Schritt könnten dezentralisierte Märkte sein, deren Überwachung und Übernahme sich noch schwieriger gestalten.

Der Initiator der ersten Silk Road, Dread Pirate Roberts (Ross Ulbricht), wird im Januar dem Gericht gegenüberstehen und sich verantworten müssen. Meines Erachtens geht es dem FBI und Konsorten hier vor allem um den einen Faktor: Die Kontrolle über das damit verbundene Geld. Die Politisierung und effektive Nutzung von Drogenhandel für außenpolitische Machtspiele und Gelderzeugung von US-Geheimdiensten ist schon lange kein Geheimnis mehr.

Über die gesellschaftliche Wirkung kann man streiten

Ich bin persönlich der Ansicht, dass der Kampf gegen die Märkte im Dunkelnetz auf politischer und sozialer Ebene wenig effektiv ist, wenn das Ziel tatsächlich die Todesopfer und sekundären Verbrechen von Drogengeschäften vermindern soll.

Denn genau das tun aktuell diese illegalen Märkte: Sie schaffen Distanz zwischen den teilweise unvermeidlichen Konsumenten und gefährlichen Händlern, aber auch Distanz zwischen Konkurrenten unter den Produzenten und Verkäufern illegaler Substanzen. Rezensionssysteme á la Amazon sind absolut bizarr in diesem Kontext, schaffen aber Klarheit und eine gewisse Sicherheit für die oft der Willkür der Lieferanten ausgesetzten Konsumenten und Abhängigen.

Die Einstiegs-Barriere für eine solche Transaktion ist höher, als jemanden auf einem Diskotheken-Klo anzusprechen. Kinder und Jugendliche kommen nicht schneller aber auch nicht langsamer in Kontakt mit dieser problematischen Szene, aber immerhin werden sie dann nicht auf der Straße ausgeraubt oder wegen ein paar hundert Euro abgestochen - oder aber vergiften sich mit irgendwelchen fiesen Additiven.

Wer Drogen konsumieren möchte, tut dies auf dem einen oder anderen Weg sowieso. Die Beschaffungsrouten möglichst schwierig zu machen, bedeutet lediglich eine Erhöhung der Margen für höheren Aufwand und weniger Konkurrenz bei den schlimmsten Fingern aus diesen Branchen.

Effektiv sehe ich viel mehr Sinn in gründlicher Aufklärung der Kids, umfangreicher unvoreingenommener Information der Gesamtbevölkerung und einer medizinisch/psychologisch durchdachten Behandlung von Konsumenten und Abhängigen. Es ist durchaus ein schwieriges Thema, aber manche Länder machen bereits bessere Wege vor, als Unsummen von Steuergeldern in einen nicht zu gewinnenden "Kampf" zu stecken, der meist die völlig falschen Personen zum Opfer hat. Auf Ignoranz zu bauen, erntet schlussendlich nur neue Probleme.

Artikelbild: Wikimedia Commons


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  • Tom Werner

    Sehr gut geschrieben Tom. Bin voll deiner Meinung. Muss wohl am Namen liegen (: /ironieoff



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