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IFTTT: Webapps schlauer nutzen und unnötige Klicks sparen

IFTTT: Webapps schlauer nutzen und unnötige Klicks sparen

Wer klickt schon gerne unnötig herum und wiederholt ständig Arbeitsabläufe, die man auch automatisieren könnte? Schließlich sind Computer und Software zumindest in der Theorie dafür da, uns Arbeit abzunehmen und repetive Tätigkeiten selbstständig abzuwickeln.

Das klappt größtenteils auch gut. Mechanische Festplatten werden unter Windows nach Zeitplan mehr oder minder gut defragmentiert, Dropbox übernimmt die Synchronisation zwischen Rechnern, Pocket konvertiert Artikel in ein angenehmes Leseformat und dient als digitale Westentasche für Zeitungsschnipsel. Über ein Notizbuch brauchen wir uns auch keine Gedanken zu machen, dafür gibt es ja beispielsweise Evernote. Unsere Smartphones synchronisieren sich via WLAN oder Kabel nach einmaligem Setup meist genau so, wie wir das gerne hätten. Automator ist auf dem Mac eine großartige Hilfe für viele Kleinigkeiten. Poweruser schreiben Bash-Scripts.

Trotzdem klaffen hier und da Usability-Lücken, gerade als ständiger Nutzer aller möglichen Webapps, Social Media Plattformen und Cloud-Services fällt mir oft eine unschöne Ecke auf, die ich nicht jedes mal bedienen möchte. Vieles lässt sich mit Tools wie Typinator (intelligente Textbausteine für Codeschnipsel und Text) lösen, andere Bremsen werden mit Hotkeys auf der Tastatur bewältigt. Der heilige Gral der Usability ist aber die Automatisierung, das hat Google schon lange erkannt. Automatisierung in simpelster Forum umfasst keine künstliche Intelligenz, künftige (und teilweise heutige) Suchanfragen bei Google lassen durchaus die Muskeln der binären grauen Zellen spielen und greifen dem User unter die Arme. Teilweise bevor er überhaupt weiß, was er wollte.

Mit IFTTT - If this then that - kommt ein grundlegendes Element der Programmierung, nämlich die einfache Kondition, in die Welt der Endnutzer. Dank readwrite habe ich dieses interessante kleine Spielzeug mit Companion App entdeckt:

Wenn Ereignis A geschieht, dann veranlasse bitte Ereignis X. Alleine dieser simple Mechanismus ermöglicht eine kleine Galaxie an Funktionalität. Gekoppelt mit Onlinediensten von Instagram über Dropbox bis iCloud ist es schon fast ein kleines Universum.

Sehr cooles Feature: Favoriten von SoundCloud einfach automatisch in die eigene Dropbox herunterladen lassen.

Klingt kompliziert? Ist es offenbar gar nicht. Das userfreundliche Tool arbeitet mit sogenannten Recipes, also Rezepten für Mini-Programme. Da gibt es diverse Beispiele auf der Unterseite mit allen unterstützen Tools (Channels genannt).

Achtung Datenschützer: Damit IFTTT mit den jeweiligen Tools zusammenarbeiten kann, muss meist eine ziemlich weitreichende Erlaubnis erteilt werden. Bei Facebook will IFTTT beispielsweise fast alles lesen, im Namen des Eigentümers Beiträge erstellen und Facebook-Seiten verwalten dürfen. Das ist für die Funktionalität und Integration aber größtenteils erforderlich. Da der Dienst keine monatliche Gebühr oder ähnliche Tarife führt, könnt ihr aber davon ausgehen, dass die Kundendaten (zumindest anonymisiert) vollständig ausgewertet und für Profitzwecke genutzt werden. Irgendwie müssen die Kosten ja wieder reinkommen. Da die Daten bei herkömmlichen Profilen mit wahrheitsgemäßen Angaben zur Person aber sowieso bei den jeweiligen Unternehmen vorliegen und in den Staaten ja sowieso alles einsehbar ist, dürfte klar sein, worauf man sich hier einlässt.

Highlights der unterstützten Dienste mit insgesamt 130 möglichen Kombinationen:

  • Feedly, RSS Feeds, WordPress, Vimeo und YouTube
  • SMS (teilweise nicht überall unterstützt, hängt vom Carrier ab)
  • Google Mail, Kalender, Drive (und somit Docs)
  • New York Times
  • 500px und Flickr (sehr nice für Fotografen)
  • Kontakte, Fotos und Erinnerungen auf iOS via App
  • Pocket, Readability und Delicious
  • Twitter, Facebook, Facebook-Seiten, App.net, Blogger, Instagram, Soundcloud, Tumblr
  • Weather Channel
  • Jawbone UP und Withings Fitnessdaten
  • wemo Smart Home Komponenten von Lichtschalter bis Steckdose

Anwendungsbeispiele umfassen beispielsweise die Übertragung von absolvierten iOS Erinnerungen/Tasks in den Google Kalender für Rückblickszwecke. Oder ihr lasst IFTTT sämtliche Links aus Tweets sammeln, die ihr favorisiert habt, die dann in Pocket zum späteren Lesen landen. Ihr schaut selten in Instagram rein, habt da aber ein paar Leute denen ihr folgt? IFTTT kann auf Wunsch jedes neue Foto eines Instagram-Feeds auch per Mail oder anderweitig an Euch transportieren.

Lieblingsseiten immer offline Lesebereit mit Pocket und automatischer Synchronisierung

Bekommt ihr vielleicht viele Mails in Euer GMail-Konto, die einen Anhang beinhalten? In der IFTTT-Community gibt es ein fertiges Rezept, das die Anhänge aus reinkommenden Mails in Google Drive ablegt, das wiederum wie Dropbox automatisch mit Eurer Festplatte synchronisiert wird. So können Notebook-Pendler beispielsweise immer alle wichtigen Anhänge dabei haben, ohne auf das eigene Gedächtnis und/oder 3G/LTE angewiesen zu sein.

IFTTT kann sogar Tweets mit dem Google Kalender automatisieren. Der Kalender wird dabei auf Einträge mit einem speziellen Schlüsselwort hin geprüft, die zum Zeitpunkt des Ereignisses dann auf Twitter geklatscht werden. Ideal für Geburtstagsgrüße, vorgeplante Termine oder eine Flucht ins Ausland mit vorgetäuschtem Tod (wenn ihr beispielsweise der NSA entkommen wollt).

Mit der mobilen App kann IFTTT auch mit iOS Fotos arbeiten, die ganz regular in Eurer Camera Roll sind. Diese können dann beispielsweise automatisiert bei Flickr gesichert werden, für den Fall eines  Verlusts. Das ist vollständiger als Photostream und zudem dauerhaft kostenlos bei voller Qualität. Zusätzlich nutzt man alle Vorzüge des angebundenen Dienstes, in diesem Fall das unkomplizierte Teilen per Flickr.

Ihr wartet auf das Google Nexus 5 und wollt keine Infos verpassen? Mit RSS-Integration kann IFTTT Euch auf jedem beliebigen Wege informieren, wenn es dazu etwas neues gibt. Alle Elemente sind wie Bausteine kombinierbar. Ihr könnt Apps an den Sonnenaufgang in Eurer Region binden und diesen als Auslöser nehmen, oder den Sonnenuntergang. Bei Pollenflug (leider aktuell nur USA) kann eine Warnung per Mail oder Kalender rausgehen, ebenso bei Temperaturveränderungen. Den täglichen Wetterbericht kann man sogar archivarisch in einem Excel-Sheet festhalten, wenn man das dann braucht.

Um Einsatzbereiche für das Tool herauszufinden, sollte man einfach mal eintauchen und es ausprobieren.

Große Erfahrungen mit IFTTT habe ich noch nicht gesammelt, da ich das Tool soeben erst entdeckte. Wofür würdet Ihr so ein Tool nutzen? Welche unnötigen Klicks nerven Euch am meisten? Wo erreichen Euch Benachrichtigungen am besten? Per SMS, Kalender, Mail, Twitter oder Rauchzeichen vielleicht?


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