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Innovativer Kanadier baut 3D-Drucker für $100

Rylan Grayston, 28 Jahre alt aus Yorkton, Kanada - ihn kann man nun wirklich einen Innovator nennen. Ich erwähne auf weblogit ja hin und wieder gerne, wie furchtbar ich den Missbrauch des Begriffs der Innovation finde. Businesskasper haben aus Innovation ein bedeutungsarmes Triggerwort für das Kaufverhalten von Zombie-Konsumenten gemacht, die selten wissen was wie überhaupt mit dem Produkt anfangen wollten. Jedes in Mitteleuropa ansässige mittelständische Unternehmen ist seit 2-3 Jahren unheimlich innovativ, gerade in Deutschland wo das Fax noch regelmäßig E-Mail ablöst und nicht andersherum.

Aber Rylan hier, er ist ein wirklicher Innovator, denn er verändert den Status Quo mit einer stellaren Rekombination bestehender Technologien. Sein 3D-Drucker ist spottgünstig: Er kostet gerade einmal $100 für den Endverbraucher und soll bald in Serie hergestellt werden. Deutsche "Billigmodelle" gehen knapp unter 1000 Euro weg, oftmals auch als Bausatz. Der Preisunterschied liegt im Druckkonzept begründet, denn der Peachy Printer arbeitet anders als die teurere Konkurrenz. Die Resultate sind insgesamt etwas gröber und weisen eine deutlich erkennbare Struktur aus der Fertigung auf - teure Modelle von Anbietern wie Shapeways sind aber ohne Nachbearbeitung auch nicht perfekt.

Der Peachy Printer macht sich das Verfahren der Photolithographie zu Nutze, ein Laser verhärtet zielgenau die richtigen Stellen des Grundmaterials, das auf Lichteinstrahlung reagiert. Vielleicht habt im Kindheitsalter auch ähnliche Experimente mit photosensitiven Kunstharzen gemacht, in der YPS-Zeitschrift und anderen Gadgetblättern gab es vergleichbare Experimente zum Nachbauen.

Wie einige erfolgreiche Innovatoren hat Grayston ebenso keine formelle Ausbildung im relevanten Bereich absolviert und konnte mit seinem unbefangenen Blick einige Optimierungspotenziale identifizieren, darunter auch den Mechanismus zur Beförderung des Grundmaterials. Insgesamt sind nicht nur die Teile für den Drucker erheblich billiger, sondern auch die Endprodukte. Das hier zu sehende Schriftzug-Modell kostete lediglich 50 Cent in der Herstellung.

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In einem Video konnte der Peachy Printer sich derart gut präsentieren, dass Grayston und seine Partner geschmeidige 720.000 US-Dollar (oder 651.091 CA-Dollar) an Crowdfunding an Land ziehen konnten, via Kickstarter. Die nächste Generation des Peachy Printers dürfte nochmals sauberer und präziser arbeiten - so langsam wird es richtig spannend mit den Technologien hinter dem 3D-Druck.

Wofür man so etwas braucht? 3D-Drucker werden uns erlauben, diverse Möbelteile am Rechner anzupassen und in den eigenen vier Wänden als Unikat zu drucken, Ersatzteile für Geräte zu drucken, alternative Bauteile für unsere bestehenden Gerätschaften und Besitztümer mit optimierten Eigenschaften herzustellen oder aber auch einfach kreativ mit dem neuen Medium umzugehen. Das alles spart Ressourcen und wird irgendwann mit besseren Materialien auch die Umwelt schonen, etwa mit biologisch abbaubarem Kunststoff aus Stärke.

Andere Drucker ermöglichen die Herstellung von Schusswaffen, die zwar gegen den Geist eines Pazifisten sprechen, aber von anderen Menschen als essenzielles Grundrecht-Besitztum zur Selbstverteidigung angesehen werden. Zensur durch den Staat wird hier nicht erfolgreich sein, denn 3D-Modelle lassen sich auch verschlüsselt und auf tausenden Kommunikationswegen übertragen. In diesem Sinne: Hier eine Floppy-Disk mit einem Bücherregal drauf, wenn's Dir nicht gefällt kannst Du es hinterher kompostieren.


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