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IT-Spezialisten bei SAP: Autisten bevorzugt

IT-Spezialisten bei SAP: Autisten bevorzugt

Autisten kennen die meisten Menschen hauptsächlich aus Filmen wie Rainman oder aus dem Fernsehen. Sie werden oft als hochgradig intelligente, aber sozial unfähige Menschen mit an Genialität grenzenden Fähigkeiten dargestellt. Auch wenn dies natürlich nicht pauschal auf alle zutrifft, so wird Autisten, oder Menschen mit der autistischen Form des Asperger Syndroms, tatsächlich eine besonders hohe Konzentration über einen langen Zeitraum, Detailgenauigkeit, Akribie, ein hervorragendes Gedächtnis und eine besonders logische Denkweise zugesprochen.

Soziale Defizite

Auf der anderen Seite haben autistische Menschen oder solche mit Asperger Syndrom größte Schwierigkeiten mit sozialen Kompetenzen; das Deuten von Gestik und Mimik der Mitmenschen, die andere von klein auf mitbekommen, müssen sie mühsam erlernen. Auch das eigene Ausdrücken von Gefühlen wird erlernt wie ein Verhaltenskodex. Dadurch fällt ihnen das Erkennen von Sarkasmus oder Lügen schwer bzw ist ihnen oft nicht möglich. Sie haben, wie es eine Betroffene ausdrückt, einfach eine andere Sichtweise auf Dinge, nüchterner und wenig subtil. Dafür empfinden sie die "humor- und gefühllose" Programmiersprache als logisch und klar verständlich.

SAP plant Ausbildung und Einstellung von Autisten

Dies will sich der Software-Konzern SAP zunutze machen und in seinem Unternehmen verstärkt Menschen mit Autismus als IT-Spezialisten ausbilden und einstellen. Insbesondere die Fähigkeit, monotone Aufgaben über einen längeren Zeitraum hinweg mit hoher Konzentration zu erfüllen, ihre Genauigkeit, ihre gute Beobachtungsgabe oder ihr Sinn für Details, kann in der IT-Branche hervorragend für die Durchsuchung von Quellcodes nach Fehlern sowie das Testen von Software auf ihre Funktionsfähigkeit eingesetzt werden. Laut eines SAP - Sprechers aus Baden - Württemberg wolle das Unternehmen bis 2020 weltweit 650 Autisten (das entspricht einem Prozent der weltweit 65.000 Mitarbeiter von SAP) als Softwaretester, Programmierer und Spezialisten für Datenqualitätssicherung beschäftigen.

SAP als Vorbild für andere Unternehmen

Der Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus rief andere Konzerne auf, dem Vorbild des Dax-Konzerns zu folgen. Er möchte in den kommenden Jahren Hunderte Autisten zu Softwaretestern und Programmierern ausbilden. Friedrich Nolte, Fachreferent im Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus ist davon überzeugt, dass  "der IT-Bereich ein großes Arbeitsgebiet für Autisten" ist. Aber auch in Bibliotheken oder Archiven könnten ihre speziellen Talente gut eingesetzt werden.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ist über die Pläne des Software - Konzerns erfreut. Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach ließ verlauten, es komme auf das Engagement der Unternehmen an, ob Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz finden. Hier gebe es noch "sehr viel Spielraum für Vielfalt", der bislang von den meisten Unternehmen noch viel zu wenig erschlossen werde. Andernfalls müsse die Politik tätig weden und die Unternehmen mehr in die Verantwortung nehmen.

Zur Info: In Deutschland müssen Unternehmen ab 20 Beschäftigten mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Schwerbehinderten besetzen und ansonsten eine Strafabgabe zahlen. Angaben der Bundesagentur für Arbeit zur Situation im Jahr 2011 zufolge lagen die privaten Arbeitgeber allerdings mit einer Quote von vier Prozent zuletzt unter dieser Vorgabe.

Apropos Politik: Menschen, die nicht fähig sind zu lügen oder sarkastisch zu sein - vielleicht sollten wir sie auch vermehrt in der Politik einsetzen!?

Bild: SAP Hauptsitz - MichaelBr90 (CC-by-sa 3.0) / via. spiegel


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