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KFZ Telematik-Garant Tarif von VHV: Fahranalyse im Selbstversuch

KFZ Telematik-Garant Tarif von VHV: Fahranalyse im Selbstversuch

Gerade in anderen Ländern wie Großbritannien oder Italien sind Telematik Tarife von KFZ-Versicherungen schon seit Jahren ein fester Bestandteil. In Italien zum Beispiel muss jeder KFZ-Versicherer zwingend einen solchen Tarif anbieten. Und in den USA ist immerhin schon jeder Zehnte Autofahrer mit einem Telematik-Tarif versichert. Der große Vorteil dieser Tarife soll sein, dass jeder Autofahrer mit seinem Fahrverhalten den Versicherungsbeitrag positiv beeinflussen kann, so dass er am Ende weniger zahlt.

Je vorsichtiger und vorausschauender ich selbst also fahre, desto geringer ist das Risiko in einen Unfall verwickelt zu werden und desto weniger kostet mich meine KFZ-Versicherung. So die Logik dahinter. In der Praxis entscheiden dann verschiedene Faktoren über den tatsächlichen Rabatt, der auch schon mal mehrere Hundert Euro ausmachen kann. Besonders wichtig sind ein behutsames Bremsen, das Einhalten von Tempolimits, genügend Platz zum vorausfahrenden Auto, schnelles Beschleunigen und auf welchen Straßen zu welcher Uhrzeit ich unterwegs bin.

In einem Selbstversuch wollte ich deshalb einmal herausfinden, wie denn mein Fahrverhalten so eingeschätzt wird und welchen Rabatt ich am Ende des Tages einstreichen könnte. Als Partner diente mir VHV Versicherung, die seit gut einem Jahr einen eigenen Telematik Tarif anbieten und mir für den Test die Hardware sowie den Zugang zum Analyse-Backend zur Verfügung stellen konnten. Als Testzeitraum setzte ich zwei Wochen an. Was extrem knapp bemessen war, gerade weil ich kein Pendler bin der jeden Tag 100 Kilometer oder mehr abspult. Die 14 Tage reichten aber dennoch völlig aus, um ein Fazit über das Fahrverhalten ziehen zu können.

Grundlegendes zum Telematik-Garant Tarif von VHV Versicherung

Der allgemeine Gedanke hinter so einem Telematik-Tarif ist grundsätzlich erst einmal sehr lobenswert. Denn dadurch, dass die Prämie für die eigene KFZ-Versicherung selbst maßgeblich beeinflusst werden kann, steigt die Motivation, sein eigenes Fahrverhalten zu optimieren und dauerhaft beizubehalten. Und wenn wir mal ehrlich sind, sollte das für einige eine echte Motivationsspritze darstellen. Wahrscheinlich gäbe es dann viel weniger gestresste Chaoten im Straßenverkehr. Bis zum selbstfahrenden Auto vergehen schließlich noch ein paar Jährchen. 😉

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Die Telematik-Box von VHV mit dem verbauten GPS-Chip und der integrierten SIM-Karte wird einfach in die 12 Volt Steckdose gesteckt und geladen.

Im Fall von VHV erhält man für das Analysieren des Fahrverhaltens eine kleine GPS-Box mit integrierter SIM-Karte für die 12 Volt Steckdose (Zigarettenanzünder) im Auto. Bei mir (Baujahr 2016) wollte die kleine Box komischerweise nicht in die Steckdose in der Mittelkonsole passen (warum auch immer), daher musste sie im zweiten Anschluss für die Rückbank Platz nehmen und dort funktioniert sie dann auch. Laut Support scheint das Problem bekannt zu sein, da es herstellerunabhängig wohl immer wieder zu leichten Abweichungen bei den Steckdosen kommt. Sollte sie gar nicht passen, wird eine neue Box zugesendet. Oder ihr besorgt euch einen Adapter.

Die Box selbst kostet monatlich 6,99 Euro Mietgebühr. Sie lohnt sich also wirklich nur für denjenigen, der auch tatsächlich Sparpotential in seinem Tarifvertrag sieht und denkt, dass er dauerhaft ein positives Fahrverhalten zeigt. Das dürften die meisten sein. Es ist dabei eigentlich unerheblich, wie viel gefahren wird. Nach den ersten 25 Stunden Fahrzeit wird der Rabatt berechnet und im Falle eines positiven Fahrverhaltens als Bonus zurückgezahlt. So einfach ist das.

Ab 2018 ist es zumindest in Neuwagen Pflicht, dass das Auto bei einem Unfall selbstständig einen Notruf samt Positionsdaten absendet. Ähnliches kann auch die Telematik-Box dank eines Crashsensors samt SOS-Knopf, worüber sich der Notruf (oder die Pannenhilfe) auch manuell auslösen lässt. Genauso ist es aber auch möglich, das eigene Auto zu orten, sollte es geklaut worden sein oder sollte man es mal auf einem Parkplatz nicht wiederfinden.

Die eingebaute SIM-Karte dient hingegen in erster Linie zur Übermittlung der gesammelten Daten. Diese macht den Löwenanteil der monatlichen Kosten aus, da jede Fahrt automatisch und völlig unabhängig von anderen Plattformen an VHV übermittelt wird. Spätestens 15 Minuten nach jeder Fahrt stehen die Daten dann ausgewertet im Online-Backend oder in der App auf dem iPhone / Android-Smartphone zur Verfügung.

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Die VHV App zeigt mir spätestens 15 Minuten nach der Fahrt die ausgewerteten Daten. Genauso zeigt sie mir aber auch die nächstgelegenen Tankstellen samt Spritpreise.

Telematik-Box im zweiwöchigen Einsatz & Auswertung

Zu Beginn ist es wichtig, dass der Akku der kleinen VHV Box in einer Testfahrt aufgeladen wird. Es kann also sein, dass erst die zweite Fahrt fahrtechnisch analysiert wird. Zumindest bei mir war es so und laut VHV scheint das auch die Regel zu sein.

Derzeit sind im KFZ-Tarif „Telematik-Garant“ von VHV maximal 30 Prozent Ersparnis zum üblichen Tarif möglich. Wer also rund 600 Euro im Jahr für seine KFZ-Versicherung zahlt, kann im Bestfall stolze 180 Euro jährlich einsparen. Und wer bis zu 1000 Euro für seine Versicherung zahlt, kann sogar über 300 Euro sparen. Das ist ordentlich und logischerweise versucht man deshalb, so clever wie möglich zu fahren. Ein schöner Nebeneffekt ist ja schließlich auch, dass auf Dauer wesentlich weniger Benzin verbraucht wird bei einem weniger rabiaten Fahrverhalten. Noch mehr Ersparnis ist als angemeldeter Experte (Tester) drin, dann sind sogar 40 Prozent Rabatt möglich.

Meine erste richtige Fahrt führte direkt erstmal nach Berlin und zurück. Startpunkt war Gera in Thüringen, was also knapp 250 Kilometer waren. Da ich zum Sonntag Morgen und Sonntag Nachmittag gefahren bin, und bis auf 10 Kilometer die gesamte Strecke über die A9 führte, wurde der Zeitpunkt der Fahrt und die gewählte Straße als risikoarm eingeschätzt. Ich war flott unterwegs, klebte aber nicht auf dem Gaspedal. In einer 14 Kilometer langen Baustelle kurz vor Berlin wurde ich dann bei Tempo 80 mit 85 kmh geblitzt. Ansonsten hielt ich mich aber größtenteils ans Tempolimit und machte, meine ich, die üblichen eher geringfügigen Ausnahmen mit höchstens 10 kmh drüber. Insgesamt reduzierte das aber dennoch meine Tempo-Einschätzung auf einen Wert von 80 Prozent. Hier wäre also noch deutlich Luft nach oben gewesen meinerseits.

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Im Online-Backend können diverse Einstellungen wie verwendeter Sprit (Diesel, Super etc), Automarke/-modell vorgenommen werden. Oder aber auch einfach das eigene Auto geortet werden.

Die Fahrweise selbst, also das behutsame Abbremsen, das Einhalten von Abständen und das angepasste Beschleunigen, wurde zu meiner Überraschung mit 100 Prozent eingeschätzt. Dieser Wert blieb auch über die gesamten zwei Wochen bestehen, selbst dann, wenn meine Freundin ein paar Fahrten unternahm, die gerne mal etwas straffer fährt und es nicht wirklich mit Abständen hat. 😉

Schwierig zu beeinflussen scheint dagegen tatsächlich die Wahl der Straßen zu sein. Beziehungsweise macht die Strecke selbst, also auf welchen Straßen man unterwegs ist, einen großen Teil in der Gesamtanalyse aus. Nach den zwei Wochen stand ich in der Analyse bei nur 75 Prozent. Was zu großen Teilen daran liegen dürfte, dass ich in diesen zwei Wochen bis auf die Fahrt nach Berlin, ausschließlich in und um Gera unterwegs war. Da auf Autobahnen das Unfallrisiko viel niedriger ist als im stressigen Stadtverkehr, scheint dieser Prozentsatz also nur logisch zu sein. Optimieren ließe sich dieser Wert sicherlich mit der Wahl anderer Strecken, zum Beispiel nicht direkt durch die Stadt fahren sondern Umgehungsstraßen oder Stadtautobahnen nutzen. Wer natürlich direkt in der Stadt arbeitet, wird wohl aber nicht auf über 90 Prozent kommen.

Stimmt jedoch die Fahrweise, die bei mir mit 100 Prozent eingeschätzt wurde (und ich bin weiß Gott kein Musterknabe), sowie zu großen Teilen das Einhalten von Tempolimits, dann ist dennoch ein stattlicher Rabatt möglich. Auch für Stadtbewohner. Insgesamt lag ich nach den zwei Wochen bei einem Wert von 23 Prozent für mein komplettes Fahrverhalten. Maximal hätte ich 30 Prozent erreicht können. Ich denke, das ist ok. Ich habe bewusst erst einmal nicht versucht, wie ein Göttlicher zu fahren, sondern habe mein Fahrverhalten nur geringfügig angepasst um zu sehen, was möglich ist. Für mich hätte das also einen Rabatt von 138 Euro jährlich bedeutet. Mit Luft nach oben.

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Jede einzelne Fahrt ist im VHV Backend abrufbar. Die Gesamtanalyse zeigt dabei immer den Durchschnittswert aus allen Fahrten aufgeschlüsselt in vier Hauptbereiche.

Mein abschließendes Fazit

Was mir die VHV Box langfristig für einen Rabatt ermöglicht, kann ich natürlich nicht voraussehen. Es bleibt für mich aber ein positiver Eindruck zurück, allein deshalb, weil sie mich dazu bringt, über mein Fahrverhalten nachzudenken. Man fährt automatisch behutsamer und cleverer, fühlt sich aber dennoch nicht unter Zwang gesetzt, da auch Ausnahmen nicht gleich übermäßig zu Buche schlagen. Insgesamt werde ich mir daher überlegen, was ich als nächstes mit meiner KFZ-Versicherung mache. Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass ich mich auch privat für den VHV Tarif kurzfristig entscheiden werde.

Das Thema Datenschutz steht natürlich ebenso auf der Tafel, wobei die gesamte Datenübermittlung verschlüsselt stattfindet und die Speicherung (für zwei Jahre) ausschließlich auf deutschen Servern von VHV erfolgt. Da ich selbst mit einer nicht optimalen Fahrweise bereits 23 Prozent erreichen konnte, vermute ich, könnten selbst kleine Chaoten mit dem Telematik-Tarif wohl noch einen Rabatt rausholen. Von daher bietet sich wohl generell ein Testzeitraum an um herauszufinden, was bei dem Einzelnen möglich ist. Die ersten 3 Monate sind bei der VHV Versicherung gebührenfrei.


In Kooperation mit VHV Versicherungen: Wie im Text bereits erwähnt, hat VHV mir ihre Box für meinen Test zur Verfügung gestellt. Auf Erfahrungswerte mit anderen Telematik-Tarifen kann ich derzeit nicht zurückgreifen, da es mein erster Test dieser Art war. Gegebenenfalls werde ich also an anderer Stelle Vergleiche ziehen, sobald es mir möglich ist.


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  • Frank Berndsen

    Hallo Kay, das liest sich ja hier wie Werbung pur. Bitte ergänze doch noch ein paar Fakten. Also, das Gerät kostet Monatsmiete, richtig? Falls die 6,99 € stimmen sind das zusätzliche Kosten von knapp 84 € / Jahr. Worauf spare ich denn? Auf die Haftpflicht oder auch Kasko?

  • Jep, exakt. Lohnt sich definitiv nur mit Kasko-Police. Zumindest hierzulande liegt die Spanne (maximale Ersparnis) zwischen 20 und 40 Prozent abzgl. etwaiger Nutzungsgebühren. Abhängig von der Autoklasse und der Versicherung sind enorme Unterschiede hinsichtlich des Rabatts möglich wie du siehst. Selbst mit entsprechender Kasko rechnet sich Telematik nicht für jeden, das ist klar. Daher prüfen.



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