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Lenovos dämlich cleverer Marketing-Stunt mit Ashton Kutcher

Lenovos dämlich cleverer Marketing-Stunt mit Ashton Kutcher

Vielleicht habt ihr vorgestern schon die Breaking News mitbekommen, für alle an denen es vorbeizog: Ashton Kutcher ist der nächste "Product Engineer" von Lenovo und wird sich mit dem Design, den Spezifikationen, der Software und Nutzungsszenarien der nächsten Welle des Yoga Tablets auseinandersetzen. Gleichzeitig wurde - fast zufällig - das aktuelle Yoga Tablet-Convertible von Lenovo enthüllt.

In einer Keynote (mit vorangehendem Imagefilm) die man eigentlich nur als Jobs-Emulation mit einer Prise Kutcher bezeichnen könnte, erörtert Ashton seine technologische Affinität, seine Visionen, seine Ambitionen und Werte mit dem Entrepreneursgeist eines verstorbenen Altmeisters. Anders als die üblichen Produktmanager hat Kutcher  keinen formellen Hintergrund in der Industrie. Er wird dafür im Press Release als Investor und Mitbegründer von "A-Grade Investments", die wiederum bei Fab, Foursquare, Spotify und Uber ihr Geld reinpumpten genannt. Engadget berichtete inklusive Press Release.

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=JVp6qyMClrA#t=194

Haben wir uns jetzt also, mal mit etwas Distanz aus kultureller Sicht betrachtet, wirklich schon wieder so routiniert von der (offenbar für die Allgemeinheit der Konsumenten zu komplizierten) Realität entfernt? Ich meine: Der Typ ist ein Comedy-Darsteller.

Er hat von Mikroarchitekturen so viel Plan wie Derek Zoolander vom Linux-Kernel. Dass er als kreativer Kopf und Innovator für Gadgets präsentiert wird, ist ein kräftiges Badum-Tss wert, selbst als Marketing-Gag ist das ja noch unangenehm seltsam, oder?

kutcherjobs

Tik Tok, Smartwatch-Clock, Samsung made the music stop... 😉

Vorher haben sie es mit Lady Gaga versucht. Morgen wird gar Ke$ha als die nächste Marissa Mayer Kopie verkauft, die Yahoo-Konkurrenten auf ähnliche kreative Höhen treibt? Irgendwie ist das alles schon ganz schön Banane. Es erinnert auch an den Google-Werbestreifen Comedy-Streifen The Internship, wo das Google Support-Callcenter als fantastischer Arbeitsplatz für junge IT-Leute dargestellt wird. Die nächste Fuhre High-Potentials wartet sicher schon darauf, am Telefon für AdWords und Google Apps Kunden der Retter in der Not zu sein. Innovator sein, eben.

Auch der Umstand seines Jobs-Actings auf der Lenovo-Bühne wird Menschen mit einem Apple-Schrein in ihrem Herzen sicher kräftig entzürnen - ich muss bei seiner Darstellung eher schmunzeln. Ein paar valide Punkte bringt er ja, wenn es um die emotionalen Werte von Technologie und Gadgets geht. Er bringt sie auch mit emotionalem Investment rüber. Vor allem zählen aber für Lenovo wohl seine 14 Millionen Follower auf Twitter. Reichweite ist eben alles.

Effektiv wird die Kampagne ohne Zweifel sein, der in Two and a Half Men vertretene Schauspieler wird seinen Einfluss auch in der Tablet-Ecke geltend machen können. Was meint ihr? Würdet ihr ein Lenovo Yoga Convertible mit 18 Stunden Akkulaufzeit kaufen, weil der Kutcher das sagt?

Man kann durchaus gleichzeitig verstehen wie etwas funktioniert und dabei die Ästhetik bewundern

Original handgemacht!

Original handgemacht!

Nur mal als Randfrage: Muss Technologie wirklich von doof für doof verkauft werden? Wäre im Zeitalter der aufstrebenden Nachhaltigkeit, Authentizität und steigender geistiger Flexibilität sowie IQ-Werte nicht mal eine Marketingkampagne cool, die wieder die Originale ins Bild rückt?

Viele echte Ingenieure, Programmierer und Produktdesigner sind sicher nicht so Bühnensicher und präsentabel wie Kutcher, aber vielleicht auch erheblich interessanter in puncto Content. Was wäre ich auch froh, wenn Publizisten in der Techpresse den Unterschied zwischen einem System-on-a-Chip und einer CPU kennen würden, oder die Bedeutung von GHz-Vergleichen unterschiedlicher Architekturen, was Megapixel tatsächlich messen, was Produktbezeichnungen, Marketinggelaber und Standards unterscheidet.

Im Endeffekt entscheidet ihr als Leser ja über das Niveau der Darbietung - begrenzte Zeit für den Konsum von Informationen spielt da sicherlich auch eine Rolle. Was ist spannender, der Glanz auf dem Gehäuse und die Farbe - oder wie das Uhrwerk seine Arbeit verrichtet?

Dass Ashton Kutcher tatsächlichen Einfluss auf die kommenden Produkte von Lenovo ausüben soll, ist wohl der größte Stunt der Marketingabteilung. So wie Dr. Dre jeden Kopfhörer liebevoll mit dem Nudelholz zusammenklöppelt und zur Probe hört. Der Einfluss beschränkt sich natürlich auf die Vermarktung, Kaufentscheidung und die Absatzzahlen.


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  • Ralf

    Aus reiner Marketing-Sicht sicherlich kein schlechter Zug von Lenovo. So läuft der Bär nun mal. Man könnte das jetzt auch mit einer Lichtquelle vergleichen, die für viele fliegende Insektenarten anziehend wirken. ^^ Marketing, also die Kunst sich gut zu verkaufen, ist im Grunde alles. Der Teil, der sich tatsächlich mit den Details beschäftigt, ist traurig gering und darüber hinaus auch noch kompliziert. 😀 Also so what 😉

  • mario

    naja… so ganz überzeugt mich dieser Spass nicht, aber man muss ganz klar sagen, dass ich diesen Schritt sehr mutig finde von Lenovo. Mit Steve Jobs gab es einen CEO der in der Lage war mit Charisma und ein wenig Comedy eine Zielgruppe zu erreichen denen es nicht nur um „aha, ein Gerät…“ geht sondern um schon fast einen Lifestyle… zu begeistern, etwas rüberzubringen… Butter bei de Fische, welche Leute in vergleichbaren Technikunternehmen haben so eine Person? Unabhängig davon, dass Kutcher nicht nur nen actor ist finde ich es interessant und werde natürlich diesen Weg verfolgen. Beispielhaft ist es allemal, die hätten ihn auch einfach für irgendwelche Werbeaktionen buchen können, aber dieser Markt ist übersättigt… ob auch sinnvoll und ob er Kunden begeistern und aggregieren kann zeigt die Zukunft, haben die Meisten „Gesichter“ der Keynotes doch eher einen Stock im Arsch



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