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Spyware in Schulbüchern: Lern-Überwachung 2.0

Spyware in Schulbüchern: Lern-Überwachung 2.0

Algorithmen beeinflussen unsere Leben in wachsendem Ausmaß - auch vor Schülern wird nicht Halt gemacht. Mehrere Schulen verwenden seit kurzer Zeit eine Art Spyware, die Lehrern aufschlussreiche Informationen über das Lernverhalten der eigenen Schützlinge geben kann. Der Clou: Die Überwachung findet mithilfe der Lernmittel statt.

CourseSmart nennt sich das Unternehmen, welches sich unter anderem als Nr. 1 der Lern-eBook-Verleihe präsentiert. Eingebaute Analytik in den Kursbüchern erlaubt den Lehrkräften einen Blick auf die Zeiteinteilung eines jeden Schülers. Wird direkt vor der Klausur kräftig gepaukt und vorher gar nicht? Oder weist das Lernen eine erwünschte Regelmäßigkeit auf?

Zusätzlich vergibt der Algorithmus von CourseSmart jedem Schüler eine Beteiligungsnote, die aus den gewonnenen Daten der individuellen Überwachung berechnet wird. Ziemlich gruselig.

So sieht die Hauptseite des Dashboards mit groben Statistiken aus:

csanalytics

Meines Erachtens ist das ein zweischneidiges Schwert: In der Praxis und Theorie zeigt sich, dass Schüler, Studenten oder Seminarbesucher besser lernen, wenn sie sich einer späteren Prüfung bewusst sind. Gibt man ihnen beispielsweise die Lektüre eines Textes auf, ohne eine spätere Abfragung der Inhalte anzudrohen, sind die Resultate der Wissensaufnahme meist schlechter.

Aber vollwertige Überwachung der Studiendauer, Sitzungslänge, Menge der Notizen und sonstiger Aktivitäten? Klar, ein Dozent kann auch mal in das Heft des Schülers blicken - aber solch ein System hier ist das Panoptikon der Schulwelt.

Die Schattenseiten liegen wohl klar auf der Hand, oder?

  • noch größerer psychologischer Druck auf ohnehin (teilweise) überlastete Schüler und Studenten
  • Potenzial für "falsche Positive" in der Erkennung
  • Generalisierung heterogener Gruppen und folglich Diskriminierung von bspw. Hochbegabten/Savants/Autisten oder anderweitig "anderen" Schülern & Studenten
  • Missbrauchspotenzial und Betrugspotenzial auf beiden Seiten

Artikelcover: CC BY 2.0 - UBC Learning Commons


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