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Untergrundbörse für illegale Drogen verschickt bequem per Post (Silk Road)

Untergrundbörse für illegale Drogen verschickt bequem per Post (Silk Road)

Ihr kennt sicher das Gefühl. Der lokale Dealer hat nichts mehr auf Lager, die Polizei steht an jeder Ecke. Ihr fragt euch, wo zum Teufel ihr die nächste Riesen-Fuhre psychedelischer Stoffe herbekommt, die euch durch die Woche bringt.

Das war ein Scherz, selbstverständlich lebt(e) kaum einer ein solches Leben, bis auf Hunter S. Thompson vielleicht. Der Gonzo-Journalist wurde vor allem durch "Fear and Loathing in Las Vegas: A Savage Journey to the Heart of the American Dream" berühmt, ein Buch das den Meisten wohl eher als Film bekannt ist. In einer Verbindung aus Fakt und Fiktion lieferte seine spannende Drogengeschichte nicht nur einen frühen Rückblick auf den Gegenkultur der 60er, sondern auch eine ziemlich irre Drogengeschichte.

Wieso komme ich jetzt auf den (mittlerweile durch selbstzugeführten Kopfschuss verstorbenen) Hunter? Ganz einfach: Diese Untergrundbörse für Drogen hätte er vermutlich geliebt. Auf Silk Road gibt es so ziemlich alles, was in den Rahmen bewusstseinsverändernder Drogen fällt. Von Halluzinogenen wie LSD, Magic Mushrooms, Meskalin und PCP bis hin zu aufputschenden Drogen wie Amphetaminen (Speed), Methamphetamin (siehe Breaking Bad) oder Kokain in allen Formen. MDMA (umgangssprachlich Extasy genannt) ist in dieser Bucht in sämtlichen Farben und Stanzformen vorhanden, auch reine MDMA-Kristalle frisch aus dem Labor ließen sich dort sichten. Cannabis-Produkte in Form von klassischen Blüten und Haschisch bis hin zu "Budder", einer hochpotenten "Butter" aus THC, die in Stecknadelkopfgröße bereits so wirken soll wie zwei Joints, sind ebenso vertreten. Auch die neue Generation von Designerdrogen mit den hochwissenschaftlichen Namen wie "5-MEO-MIPT", wird über das Portal Silk Road über das Internet verkauft und per Post verschickt.

Silk Road Screenshot

Ein Ausmaß an Auswahl wie bei Amazon oder eBay

Doch bieten dort nicht nur Drogenhändler aus aller Welt anonym ihre Ware an, es gibt auch noch Kundenbewertungen wie bei eBay oder Amazon. Null bis Fünf Sterne können für die Qualität der Ware (und des Rausches), sowie für Lieferzeiten oder eventuelle Betrugsformen vergeben werden. Somit wird versichert, dass nicht allzu viele Kunden auf denselben Betrüger reinfallen. Und die Geschäfte für fleissige Händler möglichst flüssig laufen. So soll Silk Road eine geschmeidige Million Dollar pro Monat umsetzen, ein Teil davon wandert über den Treuhand-Service der Anbieter in die eigene Kasse. Es wird natürlich nicht mit eigenen Kreditkarte gezahlt, ebenso wird keine gestohlene Karte akzeptiert: Es wird nämlich ausschließlich in Bitcoins gehandelt. Die Internetwährung ermöglicht in diesem Falle überhaupt erst das Entstehen einer solchen kriminellen Subkultur im Netz, die mit äußerster Professionalität ihren Konsumenten den vollen Komfort ermöglichen möchte. Der Zugang erfolgt über eine seltsame URL (die wir an dieser Stelle nicht erwähnen, Suchmaschinen kennen sie jedoch) und einen Tor-Client. Das Anonymisierungsnetzwerk stellt nämlich eine Verbindung zu den Servern der Plattform her und verbindet euch über einen anderen Sicherheitsserver. Somit sollte die Verbindung, zumindest in der Theorie, recht sicher sein.

Australische Polizeibehörden behaupten allerdings, dass sie einen Teil der Kommunikation abfangen können, da in der Vergangenheit beispielsweise Anschriften in plain-text unverschlüsselt abgelegt wurden. Aktuelle Kundenrezensionen singen aber ein anderes Lied: Die wenigsten Kunden klagen über abgepasste Lieferungen oder versäumte Lieferfristen - stattdessen sind sie zufrieden mit dem Service, der ihnen geboten wird.

Silk Road Screenshot

Ein Verkäufer aus Deutschland bietet seine Ware über die Plattform an.

Es sei an dieser Stelle nochmals ausdrücklich erwähnt, dass wir über diesen kuriosen Fund (im Juni berichtete bereits Gawker über Silk Road) zum Zwecke der Kuriositätenschau berichten und den Dialog über illegale Drogen in unserer Gesellschaft anregen möchten. Keineswegs ist dieser Post ein Ratschlag oder gar eine Aufforderung zum Testen der Plattform, mit großer Wahrscheinlichkeit kann ein solches Geschäft nach hinten losgehen (juristisch und sozial). Ich persönlich finde es einfach spannend (ist es nicht eine Freakshow?), dass wir in einer Zeit der Kellerlabor-Experiment-Drogen und Profichemiker-Nebenprodukten leben, die von virtuellen Münzen gezahlt als gefälschte Rechnung, Anschreiben oder Warensendungen quer über den Globus geschickt werden.

Der Guardian berichtete von einer 6 Jahre andauernden Studie, die nun als Resultat hervorbrachte, dass die Dekriminalisierung von Drogen keine nennenswerten Steigerungen in Konsum mit sich ziehen würde. Stattdessen wären die "Nebenwirkungen" einer solchen politischen Entscheidung von erheblichem Ausmaße, denn die Kriminalität um Drogen sucht sich nicht jeder Konsument freiwillig aus. Ebensowenig begrüßen die meisten "Verbraucher" den Kontakt mit den "Versorgern", die oftmals diverse andere Produkte führen oder in andere Sorten von Kriminalität verwickelt sind. Die Polizei hat außerdem weitaus besseres zu tun, als irgendwelche kiffenden Teenager zu jagen, deren Verfahren aufgrund von geringer Menge sowieso eingestellt werden. Vielleicht ist die Zeit doch reif für einen evidenzbasierten Umgang mit der Drogenpolitik, der nicht die Augen vor Statistiken verschließt, die sich mit der Alkohol- und Zigarettenlobby nicht vertragen würden.

Wie seht ihr den Drogenkonflikt? Gibt es bestimmte Substanzen, die entkriminalisiert werden sollten (darunter auch z.B. Lerndrogen, die aktuell von tausenden Akademikern heimlich konsumiert werden)? Oder gehören solche Dinge einfach nicht in unsere Gesellschaft?

Artikelbild: Silk Road.


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  • Tobi

    Wie findet man die seite?

  • Drugie

    http://en.wikipedia.org/wiki/Silk_Road_(marketplace) die url die bei wikipedia genannt wird bei dem tor browser (den man runterladen muss) einfach in die url-leiste eingeben

  • elvis

    Ich finde, dass man durchaus auf eine verlogene Drogenpolitik hinweisen kann, ohne Werbung für Silk Road zu machen. Es gibt nämlich genug Kiddies, die das dann ansurfen und nicht wissen, was sie tun.
    Und als Publizist hat man auch eine gewisse Verantwortung seinen Lesern gegenüber

  • Hi Elvis,

    diese Kiddies könnten allerdings noch viel einfacher (keine technologische Barriere) über ihren Freundeskreis an Pusher kommen, die ihnen Mephedrone statt MDMA verkaufen oder sonstige Übeltaten mit den Kids anstellen. Ich will den Vertrieb von illegalen BTM keineswegs gutheißen, aber ist ein Quorum-System mit Bewertungen durch Käufer und kein direkter Kontakt zu potenziell gefährlichen Geschäftspartnern nicht den Straßen-Asis vorzuziehen? Schließlich kaufen Kids auch keine Waffen, Viagra oder Sex-Toys im Netz, nur weil es sie dort gibt. Die Kontrolle sollten letztlich bis zu einem gewissen Alter die Eltern haben, die auch für eine gewisse Vernunft in den Köpfen der Kids zuständig sind.

    Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich den Namen des Portals erwähnen sollte oder nicht, letztendlich tauchte dieser aber schon überall (selbst bei der Nachrichtenagentur Reuters) auf und findet sich im Netz ziemlich schnell mit einschlägigen Suchbegriffen. Ebenso hätten manche unserer Leser den Namen dann anderweitig bekannt gemacht. Die Information findet sicherlich ihren Weg, daher sehe ich es eher als sinnvoll an, Menschen über die Existenz der Substanzen und Vertriebswege zu unterrichten.

    In einem Punkt gebe ich Dir aber völlig recht, wenn es um die Verantwortung gegenüber dem (speziell jüngeren) Publikum geht. Daher sei an dieser Stelle nochmals der Hinweis gegeben, dass sämtliche Drogen und Psychedelika verschieden intensive Folgen am Verstand und Körper hinterlassen. Speziell die junge, sich noch entwicklende Psyche sollte man nicht diversen Chemikalien und Naturdrogen aussetzen, sonst endet man auch nicht besser als der trinkende Vollidiot von der Kneipe nebenan. Wer sich dafür interessiert, sollte vielleicht zunächst die Literatur und seinen Verstand einsetzen, bevor er irgendwelche Dinge konsumiert. Spannende Dokumentationen von Selbstversuchen (die oftmals böse Überraschungen am eigenen Leibe vermeiden können, wenn man sie denn liest) finden sich beispielsweise auf Erowid.



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