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Varidesk Pro Plus: Stehtisch-Aufsatz im Test

Varidesk Pro Plus: Stehtisch-Aufsatz im Test

Heute mal ein etwas ungewöhnliches, aber nicht minder interessantes Produkt in unserem Review: Das Varidesk Pro Plus 36 für ein bis zwei Monitore. Es handelt sich dabei um einen Sitz-Steh-Schreibtisch, oder genauer um einen Schreibtischaufsatz zur Konversion in einen variablen Steharbeitsplatz, der auch im Sitzen zu benutzen ist.

Auf dem Varidesk Pro Plus ist genug Platz für einen Monitor und ein Notebook oder Tablet, oder eben einen riesigen 27-Zoller mit zwei kleinen Boxen nebendran, wie in meinem Fall. Es handelt sich bei nicht um das erste Produkt dieser Art, das ich teste - vorher hatte ich ein Konkurrenzmodell von Ergotron im Einsatz. Daher habe ich mittlerweile ein Auge für die Langzeitdefizite solcher Lösungen und die Knackpunkte, bei denen mich das Varidesk in den letzten Wochen überzeugen konnte. Auch diesen jetzigen Artikel schreibe ich im gerade im Stehen und halte die Füße meist passend zur Musik in Bewegung.

Einleitung: Sitzen ist doch so bequem?

Warum würde jemand überhaupt freiwillig bei der Arbeit stehen wollen, fragt man sich an dieser Stelle vielleicht. Im Sitzen ist das Geklicke doch viel bequemer!

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Illustration: Custommade

Dass die Standardposition am Rechner alles andere als gesund ist, hat man vielleicht schon mal irgendwo gehört. Ein sogenannter sedentärer (also sitzlastiger) Lebensstil hat nicht nur Folgen in Form eines verlangsamten Metabolismus, sprich die Milchshakes bleiben immer besser kleben. Studien haben gezeigt, dass unser kardiovaskuläres System überhaupt keine Freude an einer statischen Position hat, alle Systeme sind beim Menschen eben auf Bewegung ausgelegt. Der bildschirmtätige Mensch riskiert mit vielen Sitzstunden auch die Integrität seiner Stützmuskulatur, die sich auf die häufige Position kalibriert und es finden Verkürzungen und Verspannungen sowie Muskelverlust an wichtigen Stellen statt, die Folge sind Haltungsschäden und ein generell suboptimal funktionierender Körper.

Eine nette Liste mit akademischen Papern gibt es an dieser Stelle. Die "American Cancer Society" beschreibt tägliches, sechsstündiges Sitzen als ein um 37% gesteigertes, allgemeines Mortalitätsrisiko für Frauen und 17% für Männer, basierend auf einer Krebspräventionsstudie. Diese Zahlen gelten für ein gesundes Gewicht und Nichtraucher. Wer obendrein nicht regelmäßig Sport treibt, treibt seine Mortalitätsrate um 94% (Frauen) und 48% (Männer) hoch.

Die Vorteile einer dynamischeren Arbeitsposition wurden in Versuchen belegt: Weniger Müdigkeit, gesteigerte Konzentration und Ausdauer, keine Verspannungen, bessere Durchblutung, verbesserte Insulinfunktion und unzählige andere Vorteile, die man sich ganz einfach holen kann. Wahlweise macht ihr alle 25 Minuten eine fünfminütige Pause mit ordentlich Bewegung, oder ihr legt euch einen dynamisch verstellbaren Arbeitsplatz zu.

In Kombination ist die ganze Geschichte natürlich noch effektiver, weswegen ich persönlich schon lange die ergonomischen Vorteile eines Sitz-Steh-Tisches genieße und alle weiteren Ergonomiefaktoren zu berücksichtigen versuche. Man fühlt sich innerhalb kurzer Zeit nach der Umstellung einfach besser, hat mehr Lust auf Bewegung zwischendurch und fällt auch an müderen Tagen nach der Mittagspause nicht ins Halbkoma.

Aufbau und Ersteindruck

Das Varidesk Pro Plus kommt wahlweise in einer schwarzen und einer weißen Variante daher, wir durften den weißen Stehtischaufsatz testen. Überraschend war zunächst das Unboxing, das man in etwa in der Zeit eines Champagnerkorkenknalls absolvieren kann, inklusive Aufbau. Karton an den Einsatzort bringen, auf den Tisch legen, Varidesk herausziehen und Schutzfolie entfernen. Das war es schon, etwa drei Minuten werden benötigt.

Natürlich müsst ihr entsprechende Vorkehrungen an der Verkabelung des PCs oder Macs vornehmen, sofern nicht ein Monitor mit Notebook zum Einsatz kommt. Man sollte nämlich ansonsten einplanen, dass die Kabel den "Aufstieg" mitmachen können und auch in der oberen Stehposition bis zum Desktop-Case reichen. Zum Glück führt Amazon passende, schön lange Kabel. Für den Tisch empfehlen wir einen USB-Hub.

Wie erwähnt hatte ich bereits Erfahrung mit einer anderen Stehtischlösung. Diese funktionierte anderweitig, wie eine vertikale Säule mit separat einstellbarer Fläche für die Tastatur und den Bildschirm, ohne zusätzliche Ablage. Beim Varidesk fiel mir also sofort der zusätzliche Platz sehr positiv auf, auch die Optik fällt keineswegs störend ins Gewicht. Das Feeling am Tisch ist sogar ziemlich gemütlich, aufgrund der Formgebung.

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Wie viel Platz bietet das Varidesk?

Wie erwähnt setze ich auf dem Ding einen 27-Zoller von Dell (U2713H, hier der Amazon-Parterlink) ein, der natürlich schon mal seine 8,75kg wiegt und samt den kleinen Boxen nicht für jede Stehtisch-Lösung zu gebrauchen wäre. Oftmals gibt es Restriktionen bei den Federmechanismen und dann muss tief in die Tasche gegriffen werden, es sei denn man entscheidet sich für einen Sitz-Steh-Tisch mit motorisierter Tischplatte - aber das ist auch eine völlig andere Preiskategorie.

Weil das Varidesk mit seinem ordentlichen Eigengewicht und rutschfreien Füßen direkt auf dem Tisch steht, kann auch nichts verrutschen. Die Tastatur und Maus stehen automatisch knapp zwei Zentimeter höher, weil sie auf der unteren Ablage Platz finden. Diese verfügt über ein metallisches Verbindungsstück auf beiden Seiten, das sich hervorragend für Kabelmanagement eignet. Mit einem Klett-Kabelbinder kann man da beispielsweise das Mauskabel auf eine angenehme Länge festlegen. So passieren bei der "Transformation" später keine Unfälle.

Ergonomiefaktoren im Detail

Der Monitor ist auf der 11,5 cm erhöhten Plattform auf einer sehr angenehmen Arbeitshöhe und kann (wenn vorhanden) mit dem eigenen Fuß optimal justiert werden. Mir blieb nach oben und nach unten hin mehr als genug Spielraum für die ideale Ergonomie. Notebooks sollte man auf ihrem eigenen Ständer platzieren, für den ebenso ausreichend Platz vorhanden ist. Grob 30 Zentimeter sind in der Tiefe an der schmalsten Stelle der Plattform vorhanden, ansonsten ist sie etwa 87 cm breit.

Die nach vorne geschwungene U-Form der oberen Etage erlaubt die Ablage von Smartphones, Phablets, Kaffeetassen oder dient als temporär Sitzplatz für mittelgroße Katzen (wichtig). Selbst ein iPad kann man auf einem platzsparenden Ständer dort auf perfekter Distanz für Duet Display oder andere Spielchen unterbringen. Diesbezüglich ist das Varidesk Pro wirklich perfekt designed worden.

Die Oberfläche erinnert mich an die Melaminbeschichtung von meinem altgedienten IKEA-Tisch, der sämtliche Kaffeeflecken und andere Geschichten schon fast von alleine abwirft: Das Material ist also sehr leicht zu reinigen. Unter der Beschichtung befindet sich offenbar eine dicke und belastbare Spanplatte. Konkurrenzlösungen setzen gerne mal Kunststoff aus Gewichtsgründen ein, der sich bei meinem vorherigen Steharbeitsplatz langsam aber sicher durchbog, was die Optik und Ergonomie nicht gerade fördert. Hiermit hat man schon eher den Eindruck ein langlebiges Produkt zu bekommen. Vor allem hätte ich das in diesem Preissegment nicht erwartet.

Im Sitzen könnt ihr einen bestehenden Tisch und Drehstuhl oder Hocker benutzen, um eine angenehme Sitzhöhe und Ellenbogenhöhe einzustellen. Der runde Ausschnitt schafft etwas Spielraum für unterschiedliche Ausrichtungen oder einen Überhang am Tisch.

Im Stehen ist man dann darauf angewiesen, dass die die Differenz passt. Ich bin etwa 1,83m groß und komme mit dem Varidesk und meinem Monitorfuß auf 1,70m für die Oberkante des Displays. Das ist recht ideal, da man den Blick für ideale Ergonomie ein bisschen nach unten abwinkeln sollte, um auch den Nacken hinten zu verlängern und das Kinn automatisch einzuziehen.

Die Distanz auf der Z-Achse (Tiefe) zwischen Kopf und Monitor kann man schlicht über die Position des Fußes verändern, der auf der oberen Ablage steht. Das stellt ebenso einen Vorteil gegenüber der mir bekannten Lösung von Ergotron dar, die keine Verstellmöglichkeit für die Tiefe bietet.

Bei lockerem Stand sollten die Ellenbogen einen Winkel von 90° oder etwas mehr einnehmen, was bei mir bei einer Arbeitsflächenhöhe von 106 cm (Tisch + Varidesk) ebenso gewährleistet ist. Wenn auch gerade noch so, sie dürfte keinen Deut tiefer sein.

Liegt die Tastatur mit der Maus zu tief, tut man seiner Nacken- und Schultermuskulatur keinen Gefallen. Die Ellenbogen sollten außerdem nicht vor dem Oberkörper mit ausgestreckten Armen schweben, sondern mit den locker hängenden Armen neben dem Brustkorb positioniert sein. Achtet bei Gelegenheit mal darauf, wenn vermeintlich ergonomische Lösungen beworben werden, oftmals setzen sich die Anbieter dabei in die Nesseln.

Notfalls kann man aber noch mit der Tischhöhe des eigentlichen Tisches spielen und somit eine Kompensation hinbekommen, wenn der Drehstuhl das in der Sitzposition erlaubt - vielleicht auch mit einer ergonomischen Fußstütze. Als Daumenregel gilt, dass eine etwas zu geringe Arbeitshöhe besser funktioniert, sonst wird der Druck auf die Handgelenke unangenehm.

Ganz wichtig: Die Stabilität

Aufsätze für die Konversion zum Sitz-Steh-Arbeitsplatz haben einen Ruf, nicht sonderlich stabil zu sein. Wer etwas energischer tippt (wie ich), kann somit schnell für Schwingbewegungen sorgen, die sich auf den Monitor auswirken. Das ist supernervig und selbstverständlich alles andere als ergonomisch, daher war mir die Stabilität sehr wichtig. Die säulenbasierte Lösung der Konkurrenz ist prinzipbedingt anfälliger, als die "auf Füßen stehende" Varidesk-Idee.

Mit zwei Hebelgriffen entriegelt man den Mechanismus, dann lässt sich der Tisch mit absolut minimalem Kraftaufwand in der Position verstellen. Mit dem Loslassen der Hebel tritt auch sofort eine Arretierung in Kraft, die über 11 Stufen verfügt ist. Man muss sich keine Sorgen machen, dass dabei jemals etwas abrauscht und Schäden entstehen, weil der Mechanismus sich quasi von selbst verriegelt. Bis auf ein sehr dezentes Geräusch der starken Stahlfedern hört man dabei übrigens nichts, das Varidesk wäre akustisch selbst für eine Bibliothek geeignet.

In der höchsten Position hat der Tisch logischerweise, um Physik bzw. Statik kommt man leider nicht herum, die geringste Stabilität. Dennoch ist die Standfestigkeit absolut beeindruckend gegenüber meinen bisherigen Erfahrungen und völlig genügend für ein angenehmes Arbeiten. Wer es ganz besonders stabil mag, kann einfach den Bürostuhl mit der Rückenlehne unter die Arbeitsfläche schieben. Aber selbst ohne diesen Trick kann man auf dem Varidesk mit dem Grafiktablett auch etwas lebhafter zeichnen, tippen und auch mal einen Shooter spielen, ohne dass gleich "Erdbebengefahr" herrscht.

Der Tisch ist mit einem Gewicht von bis zu 15,88 Kilogramm belastbar, was ich für sehr realistisch halte. Idealerweise sollte man sich jedoch darunter bewegen und sich nicht unbedingt auf die Arbeitsfläche stellen, aber das ist euch sicherlich klar.

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Fazit: Sehr guter Einstieg mit fairem Preis

Preislich liegt die von mir getestete Lösung bei 400 Euro zuzüglich Versand und ist somit sogar günstiger als das Ergotron mit vergleichbarer Ausstattung, obgleich optisch erheblich besser, haptisch überlegen und ergonomisch besser für den langfristigen Einsatz geeignet. Es gibt keine nervige Justierung oder einen langwierigen Aufbau, auch wirken bei dem Konzept von Varidesk weniger Kräfte auf die Konstruktion ein. Ich hatte wirklich nicht so ein angenehmes Benutzungserlebnis erwartet und war bei den Fotos erst einmal skeptisch, ob der Mechanismus etwas aushalten würde.

Mittlerweile nutze ich den Stehtisch-Aufsatz schon über einen Monat und bin nach wie vor sehr angetan, de facto wird er den Vorgänger ablösen. Im Vergleich mit der direkten Konkurrenz fallen mir keine Mankos auf, bis auf die fehlende Verstellbarkeit der Monitor-Ablagehöhe. Diese lässt sich aber mit einem Monitorfuß ganz einfach ausgleichen. Schwenkbare Monitorarme sind mit dem Varidesk außerdem nicht kompatibel.

Ob man nun zu einer Aufsatz-Lösung greift, oder wie Kay gleich einen komplett verstellbaren Tisch kauft, der eine "fahrbare" Tischplatte besitzt, ist Geschmackssache. Dynamisch sollte der Arbeitsplatz auf jeden Fall sein, denn ideal ist der Wechsel zwischen Sitzen und Stehen. Ein reiner Stehtisch rächt sich spätestens bei der nächsten Grippewelle, wenn einfach keine Kraft für stundenlanges Stehen übrig bleibt.

Hinweis: Das Produkt wurde uns mit freundlicher Unterstützung von Varidesk für einen freiwilligen Test zur Verfügung gestellt und überlassen. Der Anbieter hatte keine redaktionelle Mitsprache. Bedeutet: Die Hardware kommt von extern, die ehrliche Meinung von uns.


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Bewertung

Preis-Leistung
10
Stabilität
8.5
Ergonomie
8.5
Design
9
9

Empfehlung

Ich bevorzuge den Aufsatz, weil ich irgendwann auch mal den Tisch wechseln kann und nicht an das Gestell gebunden bin. Insbesondere für den Einsatz in einem Büro ist das ein Vorteil, auch beim Umzug gibt es schlicht weniger zu schleppen und unter'm Strich weniger hängende Kabel oder Wartungsteile.

Wer sich gerne mit dem ganzen Oberkörpergewicht an den Tisch hängen möchte und in den Nachmittagsstunden fast schon ein Nickerchen darauf tätigen will, sollte natürlich zur massiveren Lösung greifen - die ergonomischen Vorteile dieser Schluck-Wasser-in-der-Kurve-Haltung sind natürlich debattierbar.

Ich bin sehr happy mit dem Varidesk Pro Plus 36 und würde es ohne mit der Wimper zu zucken jedem Bildschirmarbeiter empfehlen, der Nachmittags müde vor dem Rechner hängt, sich ein besseres Körpergefühl wünscht und seinem Rücken und allgemein dem Körper eine echte Wohltat spendieren möchte.


Amazon-Partnerlink: Varidesk Pro Plus 36


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  • Tom

    Wenn ich lese wie gefährlich Büroarbeit ist bin ich ja froh, dass ich mit Robotern und Systemtechnik arbeite und nicht im lebensbedrohenden Büro

  • Tom

    🙂



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