Image Image Image Image

Wird das neue MacBook nicht zu heiß? Lüfterlosigkeit erforscht

Wird das neue MacBook nicht zu heiß? Lüfterlosigkeit erforscht

Das lüfterlose Design des MacBook (Early 2015) ist immer noch Anlass zur Diskussion in vielen Foren, was mit Blick auf die Vergangenheit der ähnlich schlanken Air-Modelle nicht unbegründet ist.

Das gute alte Air: Ein (oft zu) heißer Untersatz ...

Ein Bekannter meinerseits litt mehrfach unter überhitzenden MacBook Airs, die er mit Dritthersteller-Softwarelösungen in ihrer Taktfrequenz limitieren musste - außerdem brauchte er Flashblocker im Netz, damit die CPU-Last nicht die thermischen Probleme steigerte. Außerdem zerlegte sich das Scharnier seines MacBook Air im Gebrauch von selbst.

So viel zur unerreichten Verlässlichkeit von MacBooks im Allgemeinen. Von Hitze geplagte MacBook Airs reichen übrigens von den 2010ern bis hin zu den 2012ern, wohlgemerkt nicht pauschal aber teilweise sicher designbedingt. In der Regel sind das allerdings Garantiefälle oder Supportfälle, die sich sehr schnell und problemlos mit Apple klären lassen.

hero_static_large

... aber kein Vergleich zum neuen Core M im MacBook

Nun sind Intel Core 2 Duo, Core i5 und Intel Core i7 Prozessoren generell in ihrer TDP (Thermal Design Power, sprich die maximale thermische Verlustleistung einer Prozessoreinheit anhand derer die Kühlsysteme konzipiert werden müssen) weitaus höher ausgelegt, als der 14nm "Broadwell" Intel Core M-5Y70/M-5Y71 (4 Threads auf 2 Cores), der höchstwahrscheinlich im neuen MacBook zum Einsatz kommt.

Diese CPU liegt leistungsmäßig im Bereich zwischen den ultrasparsamen und ultraschmalbrüstigen Intel Atoms und der leistungsfähigeren Core i3/i5/i7 Serie und wird keines der beiden Segmente ablösen.

Mit 4,5 Watt Verlustleistung liegt das kleine Rechnerlein im Bereich der lüfterlosen Existenz und dürfte sich auch durch weitere Komponenten im Umfeld (Akku und Konsorten) nicht aus der Ruhe bringen lassen. Auf diese Entwicklung arbeitet Intel schon lange hin:

fanless

Die Y-Serie ist an sich nicht neu, im vergangenen Jahr gab es den Haswell Y bereits in kostspieligen Tablets mit ebenso lüfterlosem Design zu sehen. Im Praxisvergleich kann die aktuellste Generation aber mit ordentlichen Zuwächsen in der Akkulaufzeit und Performance punkten.

Hier ein Vergleich von Intel, der sich eine CPU aus dem Sony VAIO Tap 11 (hierzulande erhältlich für 1160,- Euro) im Kontext des neuen Intel Core M anschaut:

Vorjahresvergleich

Im Vergleich zu einem Intel-Prozessor der 4. Generation ist die Die in ihrer Fläche etwa halb so groß. Dieselbe Anzahl Transistoren passt also in ein kleineres Paket, das weniger Strom braucht und weniger Hitze verursacht.

Ist das Ding nicht viel zu lahm?

Das Thema Temperatur sollte also eigentlich kein Problem darstellen.

Wie es mit der Performance aussieht, das muss man sich jedoch in der Praxis genauer anschauen. Immerhin gilt es, ein 2304x1440 Pixel IPS Display zu befeuern, wobei das Intel HD 5300 Grafikchipset dank GPU-beschleunigter Anwendungen und Oberflächen eine Menge Arbeit übernehmen kann. Auch Yosemite-Features wie App Nap und die hohe Energieeffizienz des Safari Browsers und ein Absterben von Adobe Flash tragen zu einem besseren Netbook-Erlebnis bei.

Die 1,1 GHz oder 1,2 GHz Basistakt bzw. 2,6 GHz Turbo lassen sich im Übrigen nicht 1:1 mit einem älteren Prozessor vergleichen, auch wenn man sich das aus Bequemlichkeitsgründen wünscht. Sinnvoller ist die Betrachtung von Benchmark-Charts, die eine Einordnung im Vergleich mit aktuell besessener Hardware erlauben. Hierfür empfehle ich die Übersichten von Notebookcheck.

MacBook-New-Keyboard

Es geht auch billiger...

Beispielsweise nutze ich gelegentlich ein Lenovo ThinkPad Edge E330 mit angestaubter Core i3 CPU bei 2,4 GHz Basistakt (4 Threads auf 2 Cores, kein Turbo) und etwa 4 Stunden Akkulaufzeit unter Linux (elementary OS), dank SSD ist das Ding mehr als responsiv und reicht völlig für die Zwecke der Webentwicklung. Darin läuft auch eine virtuelle Maschine mit Windows (für Adobe Apps) neben einer mit Ubuntu Server (als Vagrant). Ich mag den IBM TrackPoint sehr und bin damit so flott wie mit einer Maus. Das günstige Gerät genügt bereits, um in Adobe Premiere und After Effects unterwegs eine Folge Top Cydia Tweaks zu schneiden, Farbkorrektur anzuwenden und zu rendern.

Urteilt man nach Benchmarks unter Windows, ist mein olles ThinkPad Edge prozessortechnisch sehr ähnlich in der Leistung. Was die Grafik angeht, kann das Intel HD 4000 Chipset natürlich nicht gegen das Intel HD 5300 mit neuen MacBook bestehen. Dafür liegt einfach zu viel Zeit dazwischen.

Heutiger Gebrauchtmarktwert des ThinkPad E330: Um die 280 Euro.

Dafür wiegt das Ding das Doppelte, ist doppelt so dick, benötigte ein RAM-Upgrade, verfügt über keine PCIe-SSD und kommt mit Mac OS X auch nicht so gut klar. Die Akkulaufzeit beträgt weniger als die Hälfte. Tastatur und Trackpad sind kein Vergleich. Die Auflösung ist mit 1366x768 Pixeln keine Augenweide - so auch der Rest der zweckmäßigen aber robusten Maschine. Das Display leidet ein bisschen unter Lichthöfen. Der Lüfter springt beim Webbrowsen an. Das Netzteil fiept.

thinkpad-edge

... aber nicht unbedingt besser.

Das neue MacBook ist im Endeffekt ein Netbook der Extraklasse und was die Performance angeht vermutlich mehr als ausreichend für vielerlei Einsatzzwecke - auch außerhalb vom Mainstream, der primär mit Webbrowsing, Videos und Textverarbeitung beschäftigt ist.

Nun gilt schon lange eine Daumenregel: Je unerfahrener der User, desto mehr Dampf braucht seine Maschine, paradoxerweise. Wieso? Poweruser gehen effizienter mit Systemressourcen um, haben nur tatsächlich benötigte Anwendungen geöffnet und kennen den Impact ihrer Apps auf die Akkulaufzeit oder Auslastung des Systems. Es ist unwahrscheinlicher, dass sie unerkannte Leistungsbremsen im Hintergrund ausführen oder unwissentlich Bitcoins für Chinesen abbauen. Das Risiko der völligen Fehlkonfiguration und Fehlnutzung ist bei Mac OS X aber auch erheblich geringer als bei Windows. Folglich braucht man nicht allzu viele "Noob-Reserven" einzuplanen.

MacBook Air 12''

Wann ist das neue MacBook also ein Fehlgriff?

Wenn es um das Primärgerät ginge, würde ich nicht zugreifen. Auch wenn das Bearbeiten/Rendern von vielen Videos mit Filtern oder ressourcenintensive Dinge wie modernes Gaming anstehen.

In Abwesenheit beweglicher Teile und mit ausreichend Dampf für aktuelle Codecs und den Neuerungen im Web á la verstärkter Nutzung von WebGL ist das neue MacBook ein wunderbar leichter und kompakter Untersatz - der ideale Kompromiss. Für Office-Apps, Web-Konsum, simple Spielchen und Web-Entwicklung, App-Entwicklung im Cafe oder simple Gestaltung inkl. der passenden Apps von Apple: Go for it.


Übrigens: Wenn Du keine Neuigkeiten, Produkt-Tests oder Artikel von uns verpassen willst, dann folge uns am besten auf Facebook oder Twitter.



Hier kannst Du Deine Meinung loswerden:

  • Lynsch

    ich werds mir wohl gönnen. surfe nur im web und mach so rein gar nix auf meinem macbook air. die einzige arbeit, die anstehen würde übernimmt das nas.



← Menü öffnen weblogit.net | Home