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Kepler Weltraumteleskop erleidet Defekt – NASA gibt nicht auf

Kepler Weltraumteleskop erleidet Defekt – NASA gibt nicht auf

Nach nur vier Jahren im Betrieb wurde das Kepler Weltraumteleskop von einer ziemlich fiesen Funktionsstörung erwischt, die eine Steuerung der Orientierung im Raum verhindert. Ohne die passende Ausrichtung ist das gute Stück natürlich so hilfreich wie ein Briefbeschwerer.

Der Defekt betrifft ein weiteres Reaktionsrad, von denen das Kepler Teleskop insgesamt 4 Stück an Bord hat. Um sich im Raum zu drehen, sind natürlich mindestens 3 Achsen notwendig, mittlerweile sind zwei von den besagten Reaktionsrädern ausgefallen.

Eines davon ging im Sommer 2012 flöten, jetzt ist das nächste ausgefallen, als Grund wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Schaden am Lager der Räder angegeben. Das erinnert mich irgendwie an die versagenden IBM-Platten der 90er.

Das Projekt Kepler trug maßgeblich dazu bei, im letzten Monat eine Reihe von potenziell bewohnbaren Exoplaneten zu identifizieren. Wir berichteten.

Die NASA ist aktuell bemüht, Kepler anhand der aktuell noch intakten Thruster (Düsen) und den beiden verbleibenden Räder irgendwie auszurichten. Das Problem hierbei ist, dass die für die Fernsteuerung nötige Kommunikation von der permanenten Rotation des Teleskops immer wieder Abrisse erleidet. Jeder der einen ferngesteuerten Helikopter besitzt und diesen mal außer Reichweite geflogen hat, kann sich die Tücken vorstellen.

Eine Reparatur ist nicht nur äußerst kostspielig, sondern natürlich auch ziemlich schwierig. Kepler im Orbit zu reparieren steht technisch praktisch außer Frage. Das Kepler Team erforscht gerade die Möglichkeiten der hybriden Steuerung aus Thrustern und und Rädern, aber die Wahrscheinlichkeit dass die nötige Genauigkeit wiedererlangt wird, ist ziemlich gering. So das Kepler Team in einem offiziellen Statement. Umso trauriger ist die Tatsache, dass der Rest des Weltraumteleskops gänzlich unbeschädigt ist und somit ein 600 Millionen US-Dollar teures Spielzeug in 60 Millionen Kilometer Distanz von der Erde durch das All driftet.

Kepler beim Start 2009

Das heißt natürlich nicht, dass alles vergebens war: Kepler hat für diese Summe immerhin die für 3,5 Jahre angepeilte Mission abgeschlossen und seit November 2012 quasi Überstunden gemacht. Die Mission sollte laut io9 als spektakulärer Erfolg angesehen werden und half Astronomen bei der Identifikation von 132 Exoplaneten und 2700 Kandidaten. Dank Kepler sind wir nun an einer Schätzung angelangt, dass wir in etwa 17 Milliarden Planeten in Erdgröße (sprich mit potenziell ähnlich günstigen Bedingungen für Leben in jeglicher Form) alleine in unserer Milchstraße haben, die laut aktuellen Schätzungen in Summe etwa 200 bis 400 Milliarden Sterne - sprich Sonnen - und folglich mindestens nochmals so viele Sterne enthält.

Nicht mal unser Lieblingsastronaut Chris Hadfield kann Kepler noch retten. Oder doch?

Nicht ganz ernst am Rande: Vielleicht hat ja derselbe Ingenieur die Lager entwickelt, die damals auch bei den IBM-Platten versagten und zu einem mechanischen Tod führten? Ich habe übrigens damals meine Platte drei mal umgetauscht und erhielt jedes mal eine IBM-Zeitbombe zurück. Nur falls sich jemand fragt, warum es diese Platten nicht mehr im Handel gibt.

Bilder: NASA/Kepler-Mission


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