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Megaupload starb, Umsatzzahlen der Filmbranche stiegen

Megaupload starb, Umsatzzahlen der Filmbranche stiegen

Es sieht vielleicht so aus als wäre in diesem speziellen Fall eine Korrelation nachweisbar, die von Kopierschutzgegnern gerne als Unwahrheit abgestempelt wird: Piraterieraten und tatsächliche Umsätze verhalten sich angeblich verknüpft. Das wird am Beispiel von Kim Dotcom's verstorbenem Projekt Megaupload demonstriert.

Brad Reed von BGR berichtet von einer Partner-Studie des Wellesley College bzw. der Carnegie Mellon University, in welcher zwei Ökonomiedozenten einen deutlichen Zusammenhang zwischen Zuwächsen in legalen digitalen Kanälen und der Pirateriequote sahen, nachdem sich Megaupload vollständig verabschiedet hatte. Der Shutdown von Megaupload und Megavideo brachte wohl einige Kunden dazu, zumindest temporär die Seiten zu wechseln.

Bis zu 10% mehr Verkäufe/Verleihe

Online-Umsätze zweier großer FIlmstudios in 12 Ländern (inklusive der Staaten) erlebten mehr digitale Verkäufe bzw. Verleihe im Rahmen von 6 bis 10 Prozent. Diverse Studien betrachteten bereits den Zusammenhang globaler Piraterie und die Auswirkungen auf Sparten wie die Musikindustrie - keine Studie habe jedoch ihre Ergebnisse in Relation einer großen Verhaftung bzw. Schließung eines illegalen Outlets gesetzt. Die Prominenz und Opulenz von Kim Dotcom könnte natürlich zu der eigentlich naheliegenden Idee geführt haben, dies endlich mal zu tun.

Kim Schmitz

Foto: Andreas Bohnenstengel (Wikimedia Commons)

Die Ergebnisse sind natürlich wie Musik in den Ohren von Kopierschutzverfechtern: Was sie schon immer predigten wird nun von Akademikern bestätigt. Die Ergebnisse der Studie betreffen allerdings nur einen Auszug der Realität und bestimmte Kundengruppen bestimmter Studios - welche Filme genau unter die Lupe genommen wurden, bleibt aus. Der Zeitraum der Datenerfassung beschränkte sich überdies auf lediglich 18 Wochen nach der Schließung von Megaupload. Ob die Ergebnisse also repräsentativ sind, müsst ihr letztlich für euch selbst bestimmen. Ein weiterer wichtiger Hintergrundfaktor: Die Information der zwei beteiligten Filmstudios ging durch die Hände der "Carnegie Mellon's Initiative for Digital Entertainment Analytics", die offenkundig ordentliche Finanzspritzen der MPAA erhält. Eine Agenda der Studie lässt sich folglich nicht ausschließen, auch wenn laut den beteiligten Profs keine Verbindung besteht und keine Gelder geflossen seien.

Glaubwürdigkeit eingeschränkt - dennoch "Common Sense"

Ganz ehrlich: Wer den Zusammenhang von Piraterie und Umsätzen der kreativen Industrien leugnet, macht sich etwas vor. Natürlich gibt es viele Felder in denen Filesharing und Torrents sogar den Umsatz gesteigert haben, aber es gibt mindestens genausoviele Beispiele für negative Auswirkungen bis hin zum Ruin. Solange es keine weitverbreitete Raison unter den Konsumenten und Filesharern gibt (die es nie geben dürfte), sollte unbegrenzte Piraterie nicht der Status Quo sein, denke ich als Kreativschaffender zumindest für meinen Teil.

Eine Reform der aktuellen Vermarktungsmodelle und Monetarisierungskonzepte von Serien, Filmen und Musik wie Games halte ich jedoch für angebracht. Wie würde sich beispielsweise das Minecraft-Modell bei Filmen auswirken? Natürlich ist das Angebot einer Film-Beta schwierig, aber wie wäre es mit einem Kurzfilm als Einstimmung mit nachfolgender Fundraising-Prepaid-Kampagne für das Endprodukt?

Noch viele unbefahrene Straßen im Copyrightchaos

Es gibt sicherlich noch viele Wege á la Pay-What-You-Want, die von traditionellen Medien noch erforscht werden können. Das Netz macht diese Strategien genauso möglich, wie es die ursprüngliche Piraterie vom Postweg über Bulletin-Boards in die Glasfaser verfrachtete.

Teile der Allgemeinheit betrachten auch die Ansätze der Piratenpartei oft als "bis die Reform in der Politik sich durchsetzt und Künstler vom Staat oder anderweitig meritokratisch vergütet werden, ziehen wir uns einfach alles im Netz". Derart destruktive Denkweisen dürften höchstens noch mehr Pay-to-Win-Spiele, aggressive DRM-Maßnahmen und schrottige Kinofilme bringen, die auf massentaugliche Inhalte und sichere Einkünfte ohne kreativen Spielraum spekulieren. Genausowenig Sinn macht es natürlich, Torrents und Filesharing unbegründet zu dämonisieren - immerhin wird auch Reichweite erzeugt. Aber es gibt für alles einen schadstofffreien Weg, oder nicht?

Brave New Mega.

Artikelcover: Caricos.com


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  • Gordy

    Ist der Fettsack ekelhaft auf dem Foto 😀 …..baaaa



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