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Ein Tag ohne Smartphone und Internet. Warum nicht? DARUM!

Ein Tag ohne Smartphone und Internet. Warum nicht? DARUM!

In Zeiten permanenter Erreichbarkeit und der Möglichkeit immer und überall Zugriff auf alle wichtigen Informationen zu haben, in Zeiten von kostenloser Kommunikation über WhatsApp & Co. und ständiger Reizüberflutung, hab ich manchmal einfach Bock nach Hause zu kommen, die Tür zu schließen, Handy aus, Internet aus, Fernseher aus, und einfach nur meine Ruhe zu haben. Kein Telefonklingeln von Freundin XY, keine SMS - Anfrage "Ey, was geht heut noch?", keine Nachrichten über die SMV der Piratenpartei oder die neuesten ebay - Angebote. Einfach nur Ruhe.

Die Regel ist eher: nach Hause kommen, mit MacBook auf dem Schoß, Brotteller daneben, Fernseher läuft, neuesten YouTube Channel checken, bei Soundcloud dudelt das Neueste von Klangkarussell, nebenher die Abendplanung im WhatsApp Chat: "Yo, neun Uhr bei...". Oh, ein neues Foto auf Facebook! Die Aufmerksamkeit switched in Bruchteilen zwischen den digitalen Welten hin und her.

Schön und gut, kennen wir alle, jammern über den Stress, den uns dieser Luxus verursacht, aber einfach mal alles ausschalten - machen wir trotzdem nie.

Ein Tag ohne Smartphone und Internet? Warum nicht?

Ich wollte es ausprobieren, ein Tag ohne Smartphone, ohne Internet, so wie früher, als die Leute noch kein Handy hatten und Internet eine Utopie war, die allenfalls in SciFi-Zukunftsromanen hätte auftauchen können (ja, lacht ihr nur!). Soweit zur Theorie.

Die ersten Probleme stellten sich sogleich: Muss ich denn allen vorher Bescheid geben, dass ich jetzt einen Tag nicht mehr erreichbar bin? Ich mein, kennt man ja, nach ein paar Stunden kommen besorgte oder angepisste Nachfragen, wieso man nicht zurückschreibe. Und muss ich dann den Tag schon vorher komplett durchplanen? Ich kann ja nicht kurzfristig mal texten, ob wir uns auf nen Kaffee treffen wollen. Und wenn derjenige nicht kann, wie sagt er mir ab? Per Kurierdienst oder Brieftaube?

Die große gelbe Box, darum nicht!

Banana Phone

Dann ging das Kopfkino erst richtig los: Ich muss dann also jedes Mal, wenn ich jemanden anrufen will, sagen wir die Freundin bezüglich der Abendplanung, in eine Telefonzelle gehen. Die Nummern muss ich mir dann wohl vorher in einem Adressbuch notieren - hab ich sowas? Egal, Zettel geht auch. Und woher krieg ich überhaupt ne Telefonkarte? Darf ich vorher googeln, wo es ein Münztelefon gibt? Und dann geh ich mit meinem faltbaren Stadtplan (ich wiederhole: faltbarer Stadtplan, ihr älteren Leser wisst noch, was das ist), meinen Münzen und einem Regenschirm - falls es regnet, ich kanns ja nicht checken - in Richtung großer gelber Box. Fußmarsch: 20 Minuten. Wenn ich Glück habe, ist das Telefon noch keinem Vandalen zum Opfer gefallen. Und dann geht die Person nicht ran. Oder die Nummer ist falsch. Ich krieg jetzt schon beim Gedanken daran leichte Hassgefühle.

Ich würde also an der Telefonzelle stehen und warten, bis die Person wieder erreichbar ist (wozu hat die eigentlich ein Handy?). Was würde ich überhaupt antworten, wenn sie mich fragt, warum keine Nummer bei ihr angezeigt wird?

Und noch mehr Gegenargumente

"Hmm, so ne richtig alte vollgetagte und angekokelte Oldschool-Telefonzelle. Würd voll gerne ein Photo machen." Gut, dass ich meinen Fotoapparat immer dabei habe - nicht. Den müsste ich also auch mitschleppen.

Bis ich es nochmal telefonisch bei meiner Freundin probiere, könnt ich meine Pocket - Artikel lesen, die mich wahnsinnig interessieren, für die ich bisher keine Zeit und Ruhe hatte. Theoretisch. Stattdessen lese ich mein mitgebrachtes Buch, das im Übrigen die Tasche, die bereits mit Stadtplan, Kamera, Adressbuch, Münzbeutel und Regenschirm gefüllt ist, nicht leichter macht. Und wisst ihr was: Ich würd mich sogar ein bisschen schämen, denn garantiert würd ich mitleidige oder spöttische Blicke ernten. Vielleicht würden ein paar japanische Touristen stehen bleiben und mich fotografieren- mit ihren Smartphones versteht sich. Oder die Gruppe ultracooler Jungs von der anderen Straßenseite stellt mich morgen bei YouTube rein. Titel: Sad bitch.

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Mein Smartphone, meine Entscheidung

In dem Moment hab ich beschlossen, dass ich ein solches Experiment doch lieber anderen überlasse. Ich wär ziemlich aufgeschmissen, weil mein Smartphone für mich über die Anruffunktion hinaus eine gigantische Alltagserleichterung mit großem Spaßfaktor ist. Mein Smartphone mit Internet ist Teil meines Alltags und ich will gar nicht darauf verzichten. Das Leben ist so schnell geworden, dass ich es erwarte, alle Informationen schnell zu erhalten und mit meinen Mitmenschen schnell kommunizieren zu können. Allen Ratschlägen zu mehr Entschleunigung und Entspannung zum Trotz will ich den Stress, ich will Teil des rasanten Stroms sein, und das ist meine Entscheidung. Mich zwingt ja niemand, ich kann es auf lautlos schalten, wenn es mich nervt.

So, treffen bei wem heut Abend um neun? Was für ein Luxus, dass ich kurz in meinem WhatsApp Chat gucken kann. Hätte ich solche kleinen Informationen bei meinem Experiment vergessen - und wir sind es gewohnt, dass wir alles gespeichert haben, deshalb merken wir uns Dinge wie Ort und Uhrzeit immer weniger bewusst -, hätte ich ernsthaft nochmal zur Telefonzelle gemusst.

Mal Hand aufs Herz oder aufs geliebte Gadget: Wie lange würdet ihr es "ohne" aushalten? Und wissen wir überhaupt zu schätzen, welche Dienste Smartphones und Internet uns liefern? Oder nervt euch die ständige Erreichbarkeit auch manchmal? Bin gespannt, wie ihr das seht!


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Hier kannst Du Deine Meinung loswerden:

  • le.marc

    Es „nervt“ in bestimmten Situationen. Beispiel:
    Lernen – man sitzt gemütlich am Schreibtisch, lernt, *Nachricht*, man guckt nach (wer würde nicht nachgucken?) und schon ist man nach dem netten „slide-to-unlock“ im Chat und… huch 😀
    Okay, Sache geklärt. Handy weggelegt. Auf lautlos geschaltet.
    Vibration kaum zu überhören -> man guckt doch wieder
    Würde man es ausschalten? nein, man würde ja nichts mehr mitbekommen.

    Es verführt auch leicht dazu, damit zu spielen (ich rede von zuhause, nicht von Schule/Studium o.Ä.) wenn andere Arbeit anstehen würde, letzten Endes erledigt man auch seine Arbeit, hätte sich aber können intensiver mit der Arbeit beschäftigen.

    Ansonsten schließ ich mich dem Fazit aber an. Es ist praktisch. Es macht den Alltag ungemein einfacher, bringt allerdings auch ab und an neue Probleme mit sich (wie oft hätte man eine Streitsituation vermeiden können, hätte man erst gar nicht die Möglichkeit gehabt mit Person X die ganze Zeit zu schreiben?)

    Trotz allem in allem teilweise mein 2. Gedächtnis (wie du bereits gesagt hast in dem Artikel) und Planer.

    1-2 Tage ohne würde ich allerdings auskommen. Rechtfertigen muss ich mich dafür ja nicht, wenn ich mal nicht Antworte. Die Menschen können schließlich nicht sehen was ich gerade wirklich am machen bin und sollen sich von daher nicht so aufregen.

    Gruß, Marc (Lange Rede, kurzer Sinn :D)

  • nineZero

    Also ich habe ein ähnliches Experiment gemacht. Facebook. Deinstallieren und schauen was passiert. Der Browser war tabu (vorher ein langes kompliziertes Passwort festgelegt) und los geht’s.

    Der erste Tag war die Hölle!!! Mehr als 25x suchte ich verzweifelt nach der App. Und auch die folgenden Tage erwischte ich mich oft beim nachschauen.

    Soweit so gut, also FB nur noch am PC. So, das nächste Problem. Der PC muss ja erst einmal eingeschaltet werden und das kostet Zeit – und davon hab ich sowieso viel zu wenig. Aber gut die ersten Tage hab ich das Opfer gebracht und mich durch die endlosen neuen Beiträge gekämpft. Ganz schön anstrengend dachte ich mir.

    Die nächsten Tage viel mir auf, dass ich wohl einiges verpasst haben soll und schon über mich geredet wurde. „Hey hast du heute morgen das Bild von XY gesehen…“ oder „Was war denn mit ABC wieder los?“ Ich musste ständig nachfragen was den passiert ist und hab es mir erzählen lassen – was mir persönlich viel lieber ist. Aber ich merkte schnell, dass die anderen davon schnell genervt waren alles „noch einmal“ erzählen zu müssen. Ihr könnt es glauben oder nicht. Mit der Zeit hört man von vielen seinen „Freunden“ von Tag zu Tag weniger. Ungefähr 30 Tage hat es letztlich gedauert bis ich wieder rückfällig wurde und FB wieder installiert habe.

    Das positive an der Sache:
    Man weiß danach definitiv auf welche Freunde man zählen kann und das sie einen auch anders erreichen können wenn sie wollen.

  • le.marc

    Hast du in der Zeit auch auf Whatsapp etc. verzichtet? Ich mein, bei solchen Diensten kann man ja unabhängig von Facebook schreiben und in Kontakt bleiben

  • nineZero

    Also in whatsapp bin ich ebenfalls aus den Gruppen raus, ja. Und nur dort wurde meistens etwas vereinbart. War jedenfalls sehr interessant 🙂 man muss schon sagen.

  • Ben

    Wenn man 834 „Freunde“ bei Facebook hat, dann kann man nicht ohne, denn man möchte ja „Beliebt“ sein und das ist man ja nur wenn man mitreden kann. Jetzt ist es 07:24. Es kann gut sein, dass ich mittem im Posting keine Lust mehr habe und einfach an den TV gehe und mir eine Folge Futurama oder Two and a half Men anschaue und dann erst nach einer Stunde weiter schreibe – oder einfach den Tab schließe weil ich es für zu belanglos halte. Schließlich lösen wir hier keine echten Probleme wie Krebs, AIDS, Umweltverschmutzung, etc.

    Noch bin ich aber hier! 🙂

    Ich habe auf Facebook nur die Leute geaddet, die ich kenne und mit denen ich mich gerne – ab und zu – unterhalte. Ich bin 30. Ich arbeite, oder sagen wir mal beschäftige mich seit 22 Jahren mit Computern. Ich war schon im Internet als es noch nicht mal richtige Webseiten gab. Damals war es BTX. Einwahl per MoDeM (die Dinger die so knuffige Geräusche machen und trotzdem ultralahm waren. Hab sogar noch eins im Keller, 56Kbps waren das damals). Dann kam AOL, dann die Erotik-Flatrate (nein, keine Porno-Flat. Der Name entstand, weil ein Erotik-Anbieter die erste zahlbare ISDN-Flatrate anbot). ISDN hatte 64Kbps, mit Kanalbündelung schon sagenhafte 128Kbps! Vor AOL waren Telefonrechnungen von rund 2.000 DM (Deutsche Mark, die Währung VOR dem Euro 😉 recht einfach zu er“browsen“.

    YouTube, Facebook, Google+, Twitter, 9gag und was es heute nicht alles gibt: Gab es damals nicht. Es gab pixelige Oberflächen auf denen man ein bisschen Nachrichten (keine News!) lesen konnte oder mit anderen Chatten konnte. AOL war das selbe, nur grafisch ein bisschen besser.

    Fotos machte man mit Fotoapparaten. Unterwegs telefonieren ging nur in Telefonzellen, die es wie Sand am Meer gab. Die Dinger standen in Sichtweite zueinander! Irgendwann kamen dann Telefonkarten. Die waren sehr praktisch, da man die Personen, die gefühlte Stunden die Zelle belegten sehr einfach zum Gehen überreden konnte. Einfach ein kräftiger Tritt auf die Rückseite der Telefonzelle ungefähr auf die Stelle an der die Telefonkarte sitzt und die Karte sprang heraus; das Gespräch war beendet ;D So haben WIR getrollt.

    Dann kamen die ersten „Handys“. Mein Dad kaufte eins. Es wog mehrere Kilogramm und hatte einen Hörer so groß wie die der alten Wählscheibengeräte. Der Akku nahm rund 95 % des ganzen Gerätes ein und man trug es, ganz modisch per Trageriemen über der Schulter. Das ging aber nur maximal 15 Minuten, denn dann wurde es einfach zu schwer. Gekostet haben die Dinger so viel wie zwei iPhone 5 64 GB. Dafür konnte man mit diesen Geräten nichts anfangen, außer telefonieren, Mauern hochziehen oder Panzer demolieren.

    Würde ich heute ohne Smartphone aus dem Haus gehen, würde ich mich nur wegen der fehlenden Notrufmöglichkeit Nackt fühlen – und weil sich die rechte Hosentasche so leer anfühlt.
    Ich nutze mein Smartphone um bei Wartezeiten Musik zu hören, kurz Twitter oder 9gag zu checken oder ein kurzes Game zu zocken, sowas wie Tiny Wings oder Angry Birds. Ich habe es auch immer gern dabei um Schnappschüße von meinem noch jungen und daher verspielten Hund zu machen – von meinem mittlerweile 13-jährigen (Hund) habe ich leider nur sehr wenige. Um tolle Fotos von der Umgebung zu schießen, z.B. ein blutroter Mond oder eine komplett mit Moos zugewachsene Betonwand aus der Farne wachsen benötigt man leider diverse Objektive, nur die will ich nicht mit rumschleppen. Wenn dann lieber gleich eine richtige Kamera.

    Ja, ich weiß, dass ich nicht der typische 30-jährige bin, zumindest wenn ich mich mit anderen in meinem Alter vergleiche. Zwar habe ich die wenigsten Kontakte auf Facebook, dafür nur die Leute die ich mag. Das hat den Vorteil, dass man nicht andauernd von irgendwelchen Tröten mit meistens belanglosem Zeug zugetextet wird.

    Das alles liegt vermutlich daran, dass ich lieber intelligente und tiefgehende Gespräche mit einer Person führe als Chats mit mehreren. Letzteres bringt schlussendlich ja eh nicht viel, da meistens eh nur Floskeln wie „Hey wie gehts?“ benutzt werden. Probiert es aus: Wenn die Frage kommt, erzählt eine lange Geschichte, z.b. dass ihr letzte Nacht, gerade als ihr eingeschlafen seid aufs Klo musstet, euch deswegen den Fuß gestoßen habt, heute früher aufstehen musstet um solche Hühneraugenpflaster in einer Apotheke zu kaufen, dann gemerkt habt, dass die Schuhe nicht mehr passen, nochmals nach Hause musstet zum Wechseln, dadurch zur spät zur Arbeit gekommen seid, der Chef nervt und ihr kaum die Arbeit von heute tatsächlich heute erledigen könnt und du jetzt auch noch alles erzählen musst.“
    Zieht ihr das durch, habt ihr vor der Person erstmal ein paar Wochen Ruhe! Heutzutage will kaum einer mehr wissen wie es euch geht. Heutzutage sind die meisten zu faul sinnvoll ein Gespräch zu beginnen – oder sie haben einfach zu wenig Zeit, denn da warten ja noch ein paar FB-Postings die gelesen werden wollen.

    Es ist jetzt 07:54 und ich habe durchgeschrieben. *Jubel* Jetzt hab ich keine Lust mehr, gehe einen Kaffee trinken und mit meinem Hund kuscheln – oder spielen, je nachdem wie er aufgelegt ist 😉

  • Tom

    +1 für das Retro-Trolling an der Telefonzelle. Kannte ich noch gar nicht.

  • Harl3kin

    Wo ist der like Button? Zum liken der Antwort??! 😉

  • Jazebelle

    +2, das Trollen kannte ich auch noch nicht! Ganz groß!

  • Tom

    Mit dem Pfeil nach oben kannst Du Ben immerhin einen unschätzbar wertvollen Disqus Credit schenken. 😉

  • Dschepe

    Sehr gut geschrieben. Ach.. die wunderschöne Modem-Melodie, ich werde sie nie vergessen.. 🙂 ich arbeite auch mit Computern (als Entwickler) und ich weiß nicht, ob ich die Entwicklung bzw. den Trend in den das Internet sich bewegt gut oder schlecht finden soll. Am Besten arrangiert sich sowieso jeder für sich selbst damit. Auf jeden Fall gefällt mir dein Gedanke mit den Gruppen Chats Ben.

  • Dario

    Ich muss ohne dem Leben, weil mein Handy ist kaputt. Mein Laptop ist gebrochen und ich kann nur nach der Schule verlesenen oder fernsehen



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